12. Juli 2020

GESUNDHEIT

Kolumne von Mag. Wolfgang Rizy

Borreliose


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Die Zecken sind da! Wie jedes Jahr lauern sie auf tierische und menschliche Opfer, die in Wald und Wiese unterwegs sind. Sie sind nicht nur lästig, sondern können auch gefährliche Krankheiten übertragen. Zum einen FSME, die Frühsommer-Meningoenzephalitis, gegen die es ja bereits eine wirksame Schutzimpfung gibt, und zum anderen die Lyme-Borreliose.
Jeder Zehnte wird hierzulande einmal pro Jahr von einer Zecke gestochen. Davon erkranken rund 2 %, das sind ca. 16.000 Menschen, tatsächlich an Borreliose, denn nicht alle Zecken stellen eine potenzielle Gefahr dar. Die Rate der tatsächlich infizierten Blutsauger schwankt zwischen 10 und 30 %.
Die weitverbreitete Ansicht, Zecken ließen sich von oben auf ihre Opfer herabfallen, ist falsch. Sie klettern in Wäldern, Wiesen und Büschen zwar bis in Höhen von einem Meter, aber nur, um sich dann an vorbeikommenden Tieren und Menschen festzukrallen. Hier suchen sie sich dann einen geeigneten Platz für ihre Mahlzeit. In ihrem ca. zweijährigen Leben sind Zecken immer von einem Wirt abhängig, also z. B. Nagetiere, Wild oder Vögel. Dabei werden auch die Borrelien aufgenommen und schließlich an den Menschen weitergegeben.
Im Gegensatz zu einer FSME-Infektion, die sofort mit dem Stich übertragen werden kann, dauert es bei Borreliose etwa 24 - 36 Stunden, bis die Infektion erfolgt. Das liegt daran, dass sich die Erreger im Darm der Zecke befinden und erst durch das eintreffende Blut aktiv werden.
In den meisten Fällen bildet sich ca. eine Woche bis einen Monat nach dem Stich um die Einstichstelle eine charakteristische, ringförmige Rötung, die mit Grippe-ähnlichen Symptomen, Müdigkeit und Kopfschmerzen einhergehen kann. Die Infektion bleibt dabei oft nicht nur auf den Ort des Erstkontaktes beschränkt, sondern kann ohne medizinische Behandlung ebenso auf Gelenke, Nervensystem oder sogar den Herzmuskel übergehen.  
Da ein Zeckenstich vielfach zunächst unbemerkt bleibt, ist es schwierig, die ersten Zeichen richtig zu deuten. So bringt etwa die Hälfte der Betroffenen die auftretenden Symptome gar nicht mit Borreliose in Zusammenhang. Hat man sich jedoch die Stelle gemerkt und es tritt dort die sogenannte Wanderröte auf, reicht für den Arzt bereits eine Blickdiagnose aus, um die passende Therapie einzuleiten. Weitere diagnostische Möglichkeiten bietet eine Blutuntersuchung, es kann sogar eine Liquor-Untersuchung (Rückenmarksflüssigkeit) nötig sein.
Handelt es sich um eine akute Infektion, ist zumeist eine Antibiotika-Therapie über zwei Wochen ausreichend. Liegt ein fortgeschrittenes Erkrankungsstadium vor, geht man von einer Einnahme über drei bis vier Wochen aus.
Eine Zecke gehört schnellstmöglich mit Pinzette oder Zeckenzange entfernt. Achtung: nicht mit Öl oder Alkohol „behandeln“, herausdrehen und keinesfalls zerquetschen! Die Einstichstelle gut desinfizieren und in den nächsten Tagen genau beobachten. Tritt dort eine Rötung auf, bitte sofort zum Arzt!