22. August 2019

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Stress mit der Läufigkeit


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Als Läufigkeit (Hitze, Brunst) bezeichnet man das Auftreten des Paarungstriebes bei der Hündin. Sie erfolgt gewöhnlich zweimal im Jahr, meist im Frühjahr und Herbst. Es gibt auch Hündinnen, die im Sommer und Winter läufig werden. Ebenso gut kann die Läufigkeit auch nur einmal oder sogar dreimal im Jahr auftreten, ohne dass es sich deshalb gleich um eine gesundheitliche Störung handeln muss. Die Dauer der Brunst beträgt gewöhnlich 21 Tage. Deckbereitschaft weist die Hündin jedoch erst zum Zeitpunkt der Abstoßung befruchtungsfähiger Eizellen aus dem Eierstock auf. Bei normaler Läufigkeitsdauer geschieht dies zwischen 9. und 13. Tag.
Infolge der stärkeren Durchblutung der Geschlechtsorgane kommt es zu Beginn der Läufigkeit zu einer Schwellung der Scham. Sie fühlt sich vermehrt warm an, womit sich die Bezeichnung „Hitze“ erklären lässt, und ist bei hellhäutigen Tieren gerötet. Durch das Bersten kleinster Blutgefäße der Gebärmutterschleimhaut entwickelt sich ein dunkelroter Ausfluss, der in den folgenden acht Tagen eine blaßrote Farbe annimmt. Mit dem Nachlassen der Blutung erreicht die Läufigkeit ihren Höhepunkt. Der Ausfluss wird spärlicher, so dass sich nur noch weißlicher Schleim aus der Scheide entleert. In diesen Absonderungen ist ein intensiv riechender, sexueller Lockstoff enthalten, der zwar vom menschlichen Geruchssinn nicht wahrgenommen wird, aber die Rüden aus der Nachbarschaft unwiderstehlich anzieht. Mit den äußeren Brunsterscheinungen ist auch eine Veränderung im psychischen Verhalten der Hündin verbunden. Sie ist weniger folgsam, zeigt wechselnden Appetit und benutzt jede sich bietende Gelegenheit, um schnell das Weite zu suchen. Nicht umsonst spricht man von „Läufigkeit“. In der zweiten Hälfte der Läufigkeit wehrt sie die Rüden nicht mehr ab, sondern beginnt, deren Annäherung zu dulden. In diesem Zustand muss man auf sie besonders aufpassen, wenn man nicht in zwei Monaten von unerwünschtem Nachwuchs überrascht werden will.
Die Belästigungen einer läufigen Hündin durch ihre männlichen Artgenossen machen den Wunsch vieler Hundebesitzer verständlich, die Brunst oder zumindest deren äußere Erscheinungen durch Verabreichung eines Medikamentes vorübergehend zu unterdrücken. Die Anwendung bestimmter Hormonpräparate durch den Laien ist nicht zu empfehlen. Sie bleibt dem Tierarzt Vorbehalten. Als geeignet und unschädlich erweisen sich hingegen Mittel, die den spezifischen Geschlechtsgeruch der Hündin, der die Rüden während der Läufigkeit anlockt, hemmen. Der Geschlechtstrieb und die Empfängnisbereitschaft der Hündin werden hierdurch nicht beeinträchtigt. Diese Mittel, die meist in Tablettenform erhältlich sind, können bereits ab ersten Tag der Läufigkeit gegeben werden. Bei späterer Anwendung ist die Scham gründlich von anhaftendem Schleim zu säubern. Zusätzlich kann man im Schambereich ein desodorierendes Spray anwenden. Zwischen 9. und 13. Tag kann sich mitunter dennoch der Geschlechtsgeruch bemerkbar machen, so dass in dieser Zeit die Hündin unserer besonderen Aufmerksamkeit bedarf. Im Falle einer Kastration entfällt das ganze Prozedere.