25. September 2018

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Hund nicht mit Fleisch vergiften


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Der robuste Magen des Fleischfressers, der selbst Knochen noch gewisse Nährstoffe zu entziehen vermag, und die Vorliebe des Hundes für Aas erwecken bei manchem Hundefreund die Vorstellung, man könne dem Vierbeiner jegliches Fleisch anbieten. Diese Ansicht ist, vor allem auf dem Lande, schon so manchem Hund zum Verhängnis geworden.
Trotz seiner beneidenswert guten Verdauung ist der Hund gegenüber bestimmten Krankheitskeimen, mit denen das Fleisch kranker Tiere behaftet sein kann, sehr empfindlich. Diese Erreger werden als Fleischvergifter (Salmonellen, Aujeszky-Virus…) bezeichnet. Beim Fleisch gesunder Tiere, das wir im Fleischerladen kaufen, besteht diese Gefahr natürlich nicht. Es ist durch den Fachmann auf seine Unbedenklichkeit untersucht worden. Anders verhält es sich mit Fleisch, das nicht durch eine derartige Kontrolle gegangen ist, in erster Linie also bei Schlachtabfällen, Fleisch unbekannter Herkunft und Kadavern. Schlachtabfälle müssen vor der Verfütterung gründlich durchgekocht werden, um Erreger abzutöten und eventuelle Hormone aus Schilddrüse und Trachten zu inaktivieren. Das Brühwasser ist immer zu entsorgen. Die Aufnahme von Fleischvergiftern mit dem Futter oder beim Benagen von Kadavern kann eine schwere Erkrankung des Hundes zur Folge haben ­– eine Fleischvergiftung.
Bis zum 19. Jahrhundert, als man weder ein Fleischbeschaugesetz noch eine exakte Überwachung des Fleischhandels kannte, hielt sich mancher Schlächter auf dem Lande mehrere Hunde, denen ein ähnlich trauriges Los beschieden war, wie den Vorkostern des Kaisers Nero. Sie erhielten krankheitsverdächtiges Fleisch. Blieben die Tiere in den folgenden Tagen gesund, galt das Fleisch für den menschlichen Verzehr als geeignet.
In der heutigen Zeit bedient man sich bakteriologischer Untersuchungsmethoden zum Nachweis von Krankheitserregern, welche in der Praxis auch bestätigten, dass der Hund gegenüber einer Infektion mit Fleischvergiftern ebenso empfindlich ist wie der Mensch. Die Erkrankung geht mit schweren Störungen des Allgemeinbefindens einher. Hohes Fieber bis 42 °C, Erbrechen stinkender Fleischreste oder missfarbenen Schleimes, blutige und wässrige Durchfälle kennzeichnen das Krankheitsbild. Meist schon nach wenigen Stunden verendet der Hund. Auch nervöse Störungen, wie Lähmungen und Krämpfe, können auftreten. Neben diesem sehr heftigen Krankheitsverlauf gibt es auch chronische Formen mit hartnäckigen und schwer zu beeinflussenden Durchfällen. In diesen Fällen muss  der Tierarzt, gegebenenfalls nach bakteriologischen Kotuntersuchung, eine entsprechende Therapie durchführen.
Auf Grund von Untersuchungen verdient die Feststellung Beachtung, dass Hunde in einem höheren Prozentsatz als man bisher angenommen hat Salmonellen beherbergen und mit dem Kot ausscheiden, ohne selbst daran zu erkranken. Diese so genannten „stummen" Ausscheider finden sich besonders unter jüngeren Hundent. Als Infektionsquelle kommt ebenfalls Futterfleisch bedenklicher Herkunft in Betracht, das in rohem Zustand verfüttert wird.