21. Juli 2018

AKTUELLES

Bringt als Catering-Manager frischen Wind

Koch aus Gallspach hat im Iran Erfolg

Das nennt man Karriere mit Lehre. Vor einem Jahr übersiedelte Manuel Anzengruber aus Gallspach in die iranische Hauptstadt Teheran. Der gelernte Koch ging ins Management eines Catering-Unternehmens mit 50.000 Essensportionen pro Tag. „Es war der beste Schritt in meinem Leben,“ so der 32-Jährige: „Als Europäer wird man im Iran angehimmelt.“


Ein schönes Paar: Manuel mit seiner Fatimah, einer Mikrobiologin. Der Besuch in Österreich hat die 32-Jährige beeindruckt.

Den Kochberuf erlernt hat Manuel Anzengruber im Gasthaus Zweimüller in Grieskirchen. Danach war er Küchenchef im Grieskirchner „Ofenloch“, arbeitete in der Kantine der ETA Heiztechnik in Hofkirchen/Tr., kochte jahrelang in Spitzenlokalen in Wien und Salzburg, ehe er wieder zu Zweimüller zurückkehrte.
„Es hat mir überall gut gefallen, doch ich hatte das Gefühl, ich brauche eine neue Herausforderung,“ erzählt Anzengruber bei einem Heimaturlaub. Dem Suchenden sprang damals eine Stellenanzeige in einer Gastronomiezeitschrift in die Augen: „Österreichischer Küchenchef sucht Souschef für den Iran.“ „Ich weiß nicht warum, aber das hat mich sofort angesprochen,“ erinnert sich der Gallspacher.
Anzengruber bewarb sich um den Job und hörte lange Zeit nichts. Umso überraschter war er, als er dann doch die Zusage erhielt. Sein neuer Arbeitgeber ist die DoN group, der Gastronomiekonzern des Niederösterreichers Josef Donhauser, der zahlreiche Gaststätten im In- und Ausland betreibt und Spezialist für Catering ist. 2015 beteiligte sich DoN an einer großen Catering-Firma in Teheran, wo nun Manuel Anzengruber für frischen Wind und europäischen Qualitätsstandard sorgen sollte.
DoN in Teheran verfügt über 285 Mitarbeiter in zwölf Abteilungen und liefert täglich bis zu 50.000 Essen aus. Zu den Kunden gehören unter anderen der Fadak-Luxuszug, der die vielen iranischen Sehenswürdigkeiten ansteuert und in dem die Gäste  4-Gänge-Menüs auf höchstem Niveau serviert bekommen, „normale“ Eisenbahnen und große Kantinen. „Jetzt beginnen wir auch vermehrt mit Party-Catering,“ so Anzengruber.
Der Chef des Gallspachers ist der Steirer Hannes Wagner (50), der schon Catering-Firmen auf der ganzen Welt geleitet hat. „Die ersten Monate waren extrem hart. Wir mussten den iranischen Schlendrian austreiben und für ordentliche Produktionsabläufe und Qualitätskontrollen sorgen,“ so Anzengruber. „Hannes und ich waren immer die ersten im Betrieb und gingen nach der Produktion als letzte aus der Firma. Kein Arbeitstag dauerte unter zwölf Stunden.“
Etwa seit Jahreswechsel rennt der Laden. Die Arbeitsmoral der männlichen Belegschaft passt mittlerweile, mit den Frauen hat es ohnehin von Anfang an keine Probleme gegeben. Doch Manuel weiß: „Wenn ich einmal nach zwei Stunden meine Runde nicht mache, schleifen die Zügel gleich wieder.“ Er weiß aber auch, „das die Arbeiter schlecht bezahlt und rasch rausgeworfen werden und kaum eine Krankenversicherung haben.“
Ganz anders bei Manuel Anzengruber. Er hat eine schöne Wohnung, einen eigenen Fahrer, wird sehr gut entlohnt, und wenn er alle drei Monate in die Heimat fliegt, wartet am Flughafen ein Mietwagen. Im Frühjahr kam er erstmals in Begleitung von Fatimah zu seinen Eltern nach Gallspach. In der 32-Jährigen fand er in Teheran seine große Liebe. Fatimah hat Mikrobiologie studiert und arbeitet in Manuels Firma im Qualitätsmanagement. Keine leichte Aufgabe. „Wir erhalten täglich viele Tonnen Lebensmittel, manche Lieferanten wollen schlechte Ware loswerden, daher bin ich bei jeder Lieferung dabei,“ so Manuel.
Die Gastfreundschaft der Iraner lobt er allerdings in den höchsten Tönen. „Es ist das freundlichste Volk der Welt. Als Europäer himmeln sie einen an. Ich würde hier keinen Cent brauchen, bekäme alles gratis.“