23. Februar 2012

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Erste Hilfe bei Haustieren


Dr. Peter Kollmann Gaspoltshofen, Tel. 07735/ 6943

Grundsätzlich können wir Notfälle in traumatisch bedingt (Knochenbrüche…) und internistisch bedingte (Vergiftungen…) unterscheiden. Als erste Hilfe müssen die wichtigsten Lebensfunktionen aufrechterhalten werden. Hierbei sollten wir das aus dem Humanbereich bekannte A-B-C-D Schema einhalten.

A = Atemwege: Atemwege freimachen, Fremdkörper, Erbrochenes entfernen

B = Beatmen: atmungsunterstützende Maßnahmen, wie Druck auf den Brustkorb oder Direktbeatmung über die Nase

C = Circulation (Kreislauf): Stillen von Blutungen durch Druckverbände

D = Drugs (Medikamente): Medikamente sollten nur vom Tierarzt verabreicht werden

Wir unterscheiden zwischen absoluten Notfällen, bei denen in Minuten geholfen werden muss, wie bei Atem- und Herzstillstand oder starken Blutungen, dringenden Notfällen, die innerhalb einer Stunde Maßnahmen erfordern, wie bei tiefen Verletzungen mit Eröffnung von Bauch oder Brusthöhle oder offenen Frakturen. In schweren Notfällen (Muskel- und Bänderverletzungen, Magendrehung, Vergiftungen…) muss Hilfe innerhalb der ersten Stunden eingeleitet werden. Weniger dringende Notfälle sind kleinere Haut- und Muskelverletzungen, leichtes Erbrechen, Durchfälle. Hier sind innerhalb von 24 Stunden Behandlungen nötig.

Für den Tierhalter ist es oft schwierig, die Situation richtig einzuschätzen. Teilweise werden Veränderungen überbewertet, z. B. eine Zecke, die unbedingt noch in der Nacht entfernt werden soll. Dagegen wird der Versuch des Hundes, sich zu Erbrechen und das Aufblähen des Magens als weniger dramatisch eingestuft, so dass eine vorhandene Magendrehung nicht rechtzeitig behandelt werden kann. Diese Hunde sind nach mehr als 4-5 Stunden kaum noch zu retten.

Bei Unfällen auf der Straße sollte als erstes so gesichert werden, dass weder Helfer noch das Tier vom nachfolgenden Verkehr gefährdet werden. Dann sollte überprüft werden, ob das Tier noch atmet. Ist man sich unsicher, hält man eine Brille oder einen Spiegel vor die Nase. Beschlagen die Gläser, atmet das Tier noch selbständig. Wenn nicht, muss die Zunge hervorgezogen und Fremdkörper oder Erbrochenes aus der Maulhöhle entfernt werden. Der Brustkorb sollte nun kurz hintereinander vorsichtig mit den Händen zusammengedrückt werden, um die Selbstatmung anzuregen. Gelingt das nicht, muss direkt beatmet werden. Hierbei ist aber zu beachten, dass sich die helfende Person schützt, indem sie den Fang mit einem Band oder Gürtel zubindet, um nicht gebissen zu werden.

Wunden sollen mit Verbandsmaterial oder sauberen Tüchern abgedeckt werden. Wasser ist das beste Reinigungsmittel. Bei Knochenbrüchen sollten die betroffenen Beine ruhig gestellt werden. Als Schiene kann eine gefaltete Zeitschrift dienen. Bei Verdacht auf eine Verletzung der Wirbelsäule muss das Tier möglichst auf einer festen Unterlage transportiert werden.

Nach der ersten Hilfe müssen die Tiere möglichst schnell in eine Tierarztpraxis oder Tierklinik gefahren werden, wo man sich am besten telefonisch ankündigt.