23. Februar 2012

LANDLER/IN DES MONATS

Mag. Maria Dammayr


Die Pflegeproblematik gehört zu den brennendsten Fragen unserer Zeit. Die Lösungsansätze auf diesem Gebiet können derzeit mit den Herausforderungen noch nicht Schritt halten. Praktikter und Theoretiker sind gefragt. Maria Dammayr verkörpert beides. Die Landwirtstochter aus Michaelnbach bei Grieskirchen schaut nicht weg, sondern geht Problemen auf den Grund, die Menschenwürde und der soziale Ausgleich sind ihr Herzensangelegenheit und spielen in ihrem Berufsleben eine wesentliche Rolle. Die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, die fünf Geschwister hat, arbeitete von 1997 bis 2003 im AKH Wels, wo sie miterlebte, wie Personalmangel und steigender Pflegebedarf diesen schwierigen Beruf immer noch schwieriger machten. „Die Zuspitzung der Arbeitsbelastung führte mich zu der Frage: Kann ich das ein Leben lang machen?”, erinnert sich die 34-Jährige.

Die Antwort bestand im Wechsel aus der Praxis zur Theorie. 2003 begann die junge Krankenschwester in Linz Soziologie und Theologie zu studieren. Im Laufe des Ausbildung, inklusive Auslandssemester in den Niederlanden, widmete sich Dammayr vermehrt sozialanalytischen Themen. Ihre Diplomarbeit mit dem Titel „Sozialpolitik, Pflegesysteme und Langzeitpflege im Spannungsfeld von Ethik und Ökonomie” legt den Finger in eine gesellschaftliche Wunde und fand vielerorts Aufmerksamkeit. Maria Dammayr zeigt darin auf, wie der Pflegesektor immer mehr unter Druck gerät. Von der Arbeiterkammer und der Universität Linz wurde die Landlerin dafür Ende 2011 mit dem AK-Wirtschaftspreis ausgezeichnet. Die Praktikerin Dammayr ist sich mit der Theoretikerin Dammayr einig: „Es muss eine Aufwertung der Pflegeberufe geben, finanziell und gesellschaftlich. Die Menschen brauchen mehr Anerkennung und Aufstiegsmöglichkeiten.”

Seit 2009 arbeitet die ehemalige Sängerin der Grieskirchner Band „Karan d’ache” an der Linzer Uni am Institut für Soziologe als wissenschafliche Mitarbeiterin. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in der Care-Forschung, also auf dem weiten Feld der Fürsorgearbeit, das von der Kindererziehung bis zur Seniorenbetreuung reicht. Ausgleich dazu findet die Schwester des Michaelnbacher Bürgermeisters beim Tanzen und beim Laufen. Das Laufen pflege sie aber „zu selten”, so das Energiebündel selbstkritisch.