05. September 2010

LANDLER/IN DES MONATS

Martina Nimmervoll


Martina Nimmervoll ist alles andere als weltfremd. Die dreifache Mutter steht mit beiden Beinen im Leben, doch so richtig aufleben tut sie in der Welt der Kräuter und Pflanzen, der sogenannten Apotheke Gottes. Die Liebe zur Botanik hat die 50-jährige von der Großmutter geerbt. Dieser Leidenschaft ist sie von Kindesbeinen an erlegen. „Während Freundinnen und Freunde pubertierend herumgelaufen sind, bin ich alleine in den Wald gegangen, um Kräuter zu sammeln,” erzählt Martina Nimmervoll mit einem sympathischen Lachen, das für sie so typisch ist.

Vor 20 Jahren bekam Martina Nimmervolls Hobby eine ernste Note. Damals war ihre Tochter Johanna vier Jahre alt und erkrankte an Neurodermitis. Um der Behandlung mit Cortisonsalben zu entgehen, hob Mama Martina ihren großen Wissenschatz über die Kräuterwelt und begann mit dem Einsatz natürlicher Heilmittel. „Mittlerweile mache ich für meine Tochter die gesamte Kosmetikserie aus pflanzlichen Substanzen selbst. Duschgel, Sonnencreme, Lippenbalsam, Gesichtscreme und so weiter,” erklärt die Spezialistin. Die Wirkung ist beeindruckend. Johanna wird nur noch selten in Stresssituationen von ihrer Hautkrankheit geplagt.

Martinas Rohstoffe wachsen direkt vor ihrer Haustür, wo sie einen 2.000 m2 großen Naturgarten mit Wildkräutern hegt. Zusätzlich hat sie nahe beim Haus („Sonst nützt man ihn ja nicht!”) einen Kräutergarten angelegt. Ein Gemüsegarten ist selbstverständlich. Nimmervoll macht nämlich nicht nur Ringelblumencreme, Hustensaft aus Thymian, Stiefmütterchensalben, Hautöl aus Spitzwegerich oder Malventinkturen, sie kocht auch herrliche Gerichte aus Gemüse und Kräutern. „Ich esse sogar Unkraut,” sagt sie so überzeugend, dass man selbst Gusto bekommt.

Wichtig ist der Pädagogin, dass ihre Rezepte einfach umzusetzen und anzuwenden sind. Ihre Kräuterküche befindet sich sowohl im Garten, wo sie bis zu 15 verschiedene Kräuter auf verschiedene Weise ansetzt (Bild), sondern auch in der echten Küche. Dort erhält sie Unterstützung von Ehemann Erich, einem Chemiker, der sich ebenfalls für Pflanzen interessiert. „Zum Destillieren von Lavendel baut er mir extra den Kochtopf um. Dann riecht es im ganzen Haus nach Lavendel,” ist Martina über Erichs Hilfe froh.

Sie selbst gibt ihr Wissen, das sie vor drei Jahren bei einem einjährigen Diplomlehrgang in der Landwirtschaftskammer („Da war ich die erste Anmeldung überhaupt”) gekrönt hat, bei Vorträgen, Kräuterwanderungen oder Kochkursen weiter. Martina: „Demnächst koche ich zu einem Geburtstag auf. Das ist ein Geschenk der Töchter und Enkelkinder an ihre Mutter und Oma.” Große Freude bereitet der St. Georgenerin auch die Arbeit mit Kindern. Sie geht in Schulen und Kindergärten oder lädt zum Besuch in ihrem Garten ein, wo die Jugend mit allen Sinnen Altes und Neues von den Kräutern erfährt.

Eine Frage aus aktuellem Anlass: Was tut man bei Insektenstichen oder Sonnenbrand? „Ein zerdrücktes Spitzwegerichblatt auf der Einstichstelle schafft sofort Linderung. Trägt man nachts Johanniskrautöl am Sonnenbrand auf, ist er nächsten Tag weg.” Danke, Martina!

Wer mehr wissen will: 07248/65468 oder wildkraeuter.martina@gmail.com