05. September 2010

REPORTAGE

Peuerbacher ist mit der halben Welt per Du

Im Reisebus 75 Mal die Erde umrundet

Er war bei über 100 Papstaudienzen dabei, kennt den Vatikan wie seine Westentasche, ist ein Freund von Michail Gorbatschow und mit der halben Welt per Du: August Heuberger aus Peuerbach hat in 38 Jahren als Bustouristiker und Reiseleiter 75 Mal die Erde umrundet. Wo der 64-jährige auftaucht, gehen alle Türen auf.


Im VATIKAN geht August Heuberger seit langem ein und aus. Bei mehr als 100 Audienzen von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. (Bild) war er dabei. Sein Draht in den Kirchenstaat ist hervorragend, auch wenn der Peuerbacher zugibt, „dass im Vatikan jetzt die deutsche Gründlichkeit eingekehrt ist. Mit den Polen habe ich mir ein wenig leichter getan.” Eines hat Heuberger in seiner Zeit als Reiseleiter und Buschauffeur gelernt: „Mit Freundlichkeit kommst du überall am weitesten.” Vielleicht ein Grund, warum er in 38 Jahren nie bestohlen oder beraubt worden ist.

Wenn sich vor dem Petersdom in Rom oder dem Vatikanmuseum riesige Menschenschlangen bilden, stört das eine von August Heuberger geführte Reisegruppe wenig. Sie nimmt ohne Zeitverlust einen Nebeneingang. Wie das geht? Heuberger zieht mit einem freundlichen Lächeln die Augenbrauen hoch: „Ich hab’ Kontakte!”

Die hat er über Jahrzehnte durch seine gewinnende Art aufgebaut. Auch dank des aus dem Innviertel stammenden Prof. Johannes Schasching, der 14 Jahre an der Päpstlichen Universität in Rom lehrte, und des Linzer Weihbischofs Alois Wagner, der viele Jahre im Vatikan tätig war. „Die haben sich immer über Besuch aus der Heimat gefreut. Durch sie habe ich viele Menschen kennengelernt,” erzählt Heuberger. Mit deren Hilfe ebnet er Landsleuten auch den Weg in die erste Reihe bei den Papstaudienzen, die immer mittwochs stattfinden. So spielte in der Vorwoche die Musikkapelle Ulrichsberg vorm Heiligen Vater auf, diesen Mittwoch ist der Kirchenchor der Basilika Pöstlingberg dran. Bei der Musik der Ulrichsberger bekam Benedikt XVI. heimatliche Gefühle und bat sogar um eine Zugabe. Heuberger: „Er wollte noch einige Märsche hören.”

Auch in Russland kennt der Peuerbacher Gott und die Welt. Mit Ex-Staatschef Michail Gorbatschow ist er gut befreundet. Ihn traf er erstmals 1994 in Madrid im Hotel Ritz. Danach lotste Heuberger Gorbi mehrmals nach (Ober-)Österreich, wo er ihn mit seinem Privat-PKW chauffierte.

Heubergers intensive Beziehung zu Russland ist eng mit dem 1. April 1986 verbunden. Das war sein 40. Geburtstag, an dem sein Vater starb und das AKW Tschernobyl in die Luft flog. Ein Jahr später kam Heuberger erstmals nach Russland, sah das Elend der Tschernobyl-Opfer, rief spontan medizinische Hilfstransporte ins Leben und holte hunderte Kinder zu Erholungsurlauben nach Oberösterreich. „Wenn ich heute nach Russland komme, erhalte ich jeden Tag Besuch aus diesem Bekanntenkreis, denn die Menschen wissen: Der Gustl Heuberger hat immer kleine Geschenke dabei.”

Und er ist nie um einen Schmäh verlegen. Die Geschichten, die er als Reiseleiter erzählt, hat kein Historiker, sondern das Leben geschrieben. „In Russland bin ich einmal auf einer Strecke, wo Tempo 60 geplant war, mit dem Bus 100 gefahren. Der Polizist, der uns stoppte, war fuchsteufelswild. Ich hielt ihm einen blauen Dienstausweis mit einer Rolle Kekse hinaus und sagte ,Diplomat’. Der Polizist hat salutiert, und wir sind schon wieder gefahren.”

Obwohl vor zwei Jahren Wolfgang Oberlehner und Manfred Sallaberger das Heuberger-Unternehmen übernommen haben, denkt der Seniorchef nicht an Ruhestand. „Mir macht die Arbeit als Pensionist noch immer Spaß,” so der 64-Jährige: „Mein Leben ist Europa. Ich kenn’ mich in Edinburgh genauso aus wie in Rom. Aber ich komme jedesmal gerne heim nach Peuerbach.”

Hier ist seine Familie seit 300 Jahren ansässig. Vater August hat 1929 die Transportfirma gegründet, Sohn August sie 1972 übernommen. Von 1964 bis 1970 fuhr der Junior täglich bis zu elfmal mit Schotterfuhren für den Straßenbau zwischen Peuerbach und Wels hin und retour. Dann rollte er im Bus drei Millionen km hinaus in die weite Welt.