22. Mai 2012

REPORTAGE

Blinde sehen wieder

Blind oder sehend? Diese Frage hängt in den ärmsten Regionen der Welt für Millionen Menschen an läppischen 30 Euro. Gabriel Müller aus Weibern arbeitet seit zehn Jahren unermüdlich daran, für möglichst viele Menschen diese 30 Euro aufzutreiben.


Gabriel Müller in der Augenabteilung des Spitals im ruandischen Kabgayi. Neben ihm sitzt Modeste Sibomana. Der 78-jährige ist wenige Stunden zuvor durch eine Operation am Grauen Star von seiner Blindheit befreit worden. Wie es ihm geht? „Ich möchte fliegen, aber ich habe keine Flügel.”

Weltweit sind 37 Millionen Menschen blind. Etwa die Hälfte davon leiden am Grauen Star. Bei dieser Erkrankung kann man die Erblindung durch einen relativ harmlosen Eingriff verhindern oder das Augenlicht wieder zurückgeben. In Österreich finden jährlich 45.000 Operationen am Grauen Star statt. Vor allem in Afrika, aber auch in Lateinamerika und Asien fehlt meist nicht nur das Geld für derartige Operationen, es mangelt auch an Ärzten, die solche Eingriffe durchführen können.

Gabriel Müller aus Weibern lebt seit 1994 in Wien und arbeitet seit zehn Jahren für die Hilfsorganisation „Licht für die Welt”. Als Kommunikationsleiter ist er dafür zuständig, Bewusstsein für die Problematik zu schaffen und Rechenschaft über die Verwendung der Spenden abzulegen.

Diese Rechenschaft fällt beeindruckend aus. „Im Vorjahr konnten wir für 37.500 Menschen die Operation am Grauen Star finanzieren und 16.000 Kinder mit Sehbehinderungen fördern,” freut sich Müller, der noch immer regelmäßig nach Weibern kommt, um hier seine sieben Geschwister und seine Eltern zu besuchen und im Musikverein das Tenorhorn zu blasen. „Der Eingriff beim Grauen Star dauert nur 15 Minuten. In Afrika verwendet man dafür eine abgebrochene Rasierklinge. Mit ihr wird ein 5-mm-Schnitt gemacht, dann die trübe Augenlinse entfernt und eine künstliche eingesetzt,” erklärt der 35-jährige Jungpapa.

„Licht für die Welt” bemüht sich, in den Entwicklungsländern Strukturen zur Selbsthilfe aufzubauen. Dabei hilft auch, dass vom Land Oberösterreich derzeit in Nairobi zwei Stipendien finanziert werden, mit denen einheimische Ärzte die Graue Star-Operation erlernen können.

„Licht für die Welt” betreibt auch in zahlreichen Ländern Sehschulen. So etwa im afrikanischen Ruanda, wo Gabriel Müller Anfang April von seiner Organisation finanzierte Einrichtungen besuchte, um sich von der korrekten Verwendung der Mittel zu überzeugen.

Spendenkonto „Licht für die Welt”: PSK-Nummer 92011650, BLZ 60000