LANDLER/IN DES MONATS
Dorothea Jörger (1497 - 1556) aus Tollet:
Die beste Freundin von Martin Luther

„Der Edlen und tugendreichen frawen Dorothea Jergeryn, widwe zu Tollet, meyner besonderen freundyn ynn Christo.” So beginnt Martin Luther die Schreiben an seine Vertraute in Tollet. 13 Briefe des Reformators, der 1517 seine berühmten 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg geschlagen hat, an die Witwe des 1524 verstorbenen Wolfgang Jörger, der von 1513 bis 1521 Landeshauptmann war, sind erhalten. „Luther hat mit keiner Frau, außer seiner eigenen, so ausführlich korrespondiert wie mit Dorothea Jörger,” weiß Dr. Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Kirche.
Eine Kopie des letzten Briefes besitzt das Evangelische Museum in Rutzenmoos, das auch einen interessanten Teil der Landesausstellung bildet. In Rutzenmoos ist auch eine Puppe zu sehen, die Dorothea zeigt, wie sie einen Brief an Luther verfasst (Bild). Es ist das einzige Bild, das es von der Jörgerin gibt. Leider sind keine Briefe Dorotheas an Luther erhalten. Die Schloßherrin aus Tollet stand 25 Jahre lang mit Luther bis zu dessen Tod 1546 in Kontakt.
Dorothea und Wolfgang Jörger hatten Sohn Christoph zum Studium nach Wittenberg geschickt. Bei der Abreise schwor der Filius, dem katholischen Glauben treu zu bleiben. Zurück kam er als überzeugter Anhänger der Reformation. Seine Mutter war es auch, die 1525 mit Michael Stiefel, einem Luther-Abgesandten, den ersten protestantischen Prediger nach Tollet und damit nach Österreich holte. „Er hat für 19. Oktober 1533 den Weltuntergang vorausgesagt. Aber Tollet steht noch immer,” lacht Bürgermeisterin Dagmar Holter. „Mir liegt die faszinierende Dorothea Jörger besonders am Herzen.” Dorothea hat Land(l) und Leute geprägt.

