22. Mai 2012

TIERE

Kolumne von Tierarzt Dr. Peter Kollmann

Futterhygiene bei Sittichen


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, Tel. 07735/6943

Ich möchte diesmal einige grundsätzliche Fehler bei der Fütterungs- und Tränkhygiene im Zusammenhang mit der Haltung von Sittichen ansprechen. Häufig wird der Fehler begangen, das Futter in fest verschlossenen Gläsern oder Dosen aufzubewahren. Ist der Feuchtigkeitsgehalt der Sämereien durch unsachgemäße Zwischenlagerung im Groß- oder Einzelhandel zu hoch, verdirbt das Futter in kurzer Zeit. Die Feuchtigkeit, die Zimmertemperatur sowie die durch die biologischen Prozesse sich entwickelnde Wärme begünstigen das Wachstum von Schimmelpilzen. Futter darf deshalb nie in verschlossenen Gefäßen gelagert werden.

Einzeln gehaltene Wellensittiche dürfen oft bei ihren Besitzern von Kuchen, Weißbrot, Rotwein , Kaffee, Sahne, Toast, Likör, Kartoffeln , Fleisch… naschen. Diese unphysiologische Ernährungsweise ist nicht zu empfehlen und macht krank!!!! Ein Naschen der Vögel während der Mahlzeiten ist auch aus hygienischen Gründen abzulehnen.Gewürzte oder gebratene Gerichte werden sicherlich auf Dauer dem Vogel nicht verträglich sein.

Noch mehr Bedeutung besitzt die Fütterungshygiene bei Anschaffung und Lagerung größerer Futter- Posten. Mit den Sinnesorgane können Verschmutzung, Verfärbung, Fremdbeimengungen sowie Geruchsabweichungen festgestellt werden. Die Keimprobe stellt ein weiteres Prüfverfahren dar. Ist ein Futter stark keimfähig, steht ein wertvolles Futter zur Verfügung. So macht man eine Keimprobe: Ein Teil des zu prüfenden Futters wird über ein Sieb gewaschen und in ein Gefäß gefüllt, mit Wasser übergossen und einen Tag bei Zimmertemperatur aufbewahrt. Nach dem Abtropfen wird das Futter im Sieb belassen oder in ein Gefäß verbracht. Nach ein bis zwei Tagen sprießen die Keimlinge.

Eine Bevorratung von Futtermitteln hat so zu geschehen, dass eine Verunreinigung durch Nager, Schadinsekten, Schimmelpilze oder Verschmutzung durch Fremdstoffe ausgeschlossen ist. Häufig ist die Futter- oder Mehlmilbe in den Futtermitteln zu finden. Stark von Milben befallenes Futter gilt als verdorben.

Größere Gefahr für die Gesundheit der Vögel geht von den sogenannten Lagerpilzen au. Bei höheren Temperaturen und Feuchtigkeitsgehalt wird ihr Wachstum erheblich beschleunigt. Die schädigende Wirkung der Pilztoxine tritt schon ein, wenn weder muffiger Geruch noch Pilzbefall feststellbar ist. Da Schimmelpilze überall verbreitet sind, ist eine optimale Lagerung des Futters anzustreben. Ebenso sollte die Lagerung getrennt von Chemikalien sowie stark riechenden, staubenden Stoffen erfolgen.

Bei Grünfuttermitteln ist auf mit Pflanzenschutz behandelten Flächen, Nähe zu stark befahrenen Straßen, Müllplätzen oder mit Vogelkot kontaminierte Flächen zu achten; kein Grünfutter von dort. Bei Weichfutter ist vor allem in der warmen Jahreszeit die Fütterung zeitlich zu begrenzen (nach 2-3 Stunden entfernen). Futtergefäße müssen ständig gereinigt und regelmäßig desinfiziert werden. Den Vögeln sollte grundsätzlich Wasser von Trinkwasserqualität angeboten werden, das täglich 1-2 Mal erneuert werden muss. Verunreinigung des Trinkwassers durch Kot oder Baden ist zu vermeiden. Da Wasser als potentieller Krankheitsüberträger anzusehen ist, muss der Trinkwasserhygiene besondere Beachtung geschenkt werden. Tägliche Erneuerung des Wassers nach Reinigung der Gefäße ist unbedingt erforderlich.