REPORTAGE
Seifensieder im Landl sind äußerst kreativ
Körperpflege mit Wein oder Schoko
Misstrauisch gegenüber industriellem Einerlei, bereiten immer mehr Menschen natürliche Seifen selbst zu. Dabei kommen neben hochwertigen Ölen und Kräutern ungewöhnliche Zutaten zum Einsatz. Körperpflege mit Seifen aus Rotwein oder Schokolade ist gefragt. Auch im Landl erlebt das alte Handwerk eine neue Blüte.

Herrliche Düfte und vielfältige Formen: Selbstgemachte Seifen sind ein reines Naturprodukt.
Als erste experimentierten die Sumerer vor 6.000 Jahren mit alkalischen Pottaschelösungen und Ölen und schufen so die ersten Seifenrezepturen. Noch bei den Römern galt die Verwendung von Seife als verweichlichend, das kriegerische Volk wusch sich mit Bimsstein. „Seifensieden ist im Prinzip ganz einfach”, meint Annemarie Geiselmayr aus St. Marienkirchen/Polsenz, die in Kursen das alte Handwerk lehrt, „und dann hat man die Gewissheit, dass tatsächlich nur die Stoffe drinnen sind, die man auch will!”
Und das tut dem Körper gut. Viele Kräfte der Natur lassen sich mit selbstgemachter Seife nützen. Jetzt im Frühjahr empfiehlt sich etwa eine Lavendel-Pfefferminzseife. Sie erfrischt und die Lavendelblüten wirken wie ein sanftes Peeling. Ob wohlduftende Mandel-Honig-Seife, frühlingsfrische Löwenzahn- oder Frauenmantelseife - man kann sich bei den Rezepten nach Gusto austoben. „Kreativität und Phantasie sind gefragt,” so Geiselmayr. Kosmetisch wirkt etwa eine Gesichtsseife mit Gurkenschalen oder Naturseide wahre Wunder. Geiselmayrs Ehemann schwört auf Schokoladeseife. Kein Wunder bei so herrlichen Zutaten wie Olivenöl, Kakaobutter und zum Schluss eingerührter Bitterschokolade.
Grundlage aller Seifen ist eine Lauge, die zuvor mit Ätznatron selbst hergestellt wird. Dann wird diese mit Fetten - von Schlagobers bis zu den teuersten ätherischen Ölen - verkocht. Bis man sein erstes eigenes Stück Seife mit in die Wanne nehmen kann, dauert es aber ein paar Wochen. So lange muss sie trocknen. Das Einrühren des Natrons in Wasser oder Milch, das Kochen der Lauge mit Ölen unter bedächtigem Rühren erfordert Geduld. Deshalb werden langsame Menschen auch heute noch manchmal als „Seifensieder” beschimpft!
Der nächste Kurs findet am13. März, 16 bis 19 Uhr, in St. Marienkirchen/P. statt. Info und Anmeldung im Naturpark-Büro unter Tel. 07249/47112-25.

