22. Mai 2012

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Wellensittiche sollte man genau beobachten


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, Tel. 07735/6943

Unser Wellensittich ist weltweit der beliebteste in Menschenhand gehaltene Vogel und gehört zu den am häufigsten gehaltenen Heimtieren, der uns viel Freude bereiten soll. Das kann aber nur ein gesunder Sittich. Für den Tierhalter und den Tierarzt ist es daher sehr wichtig, Krankheitssymptome zu erkennen und auch zu deuten.

Eine große Anzahl von Erkrankungen dieser Vögel geht mit gleichen Krankheitszeichen einher. Die Feststellung des gestörten Allgemeinbefindens stellt bei leichteren Erkrankungen schon häufig ein Problem dar. Nur eine exakte Beobachtung durch den Tierhalter gibt uns gewisse Hinweise auf die Art der Erkrankung.

Geringe Änderungen der Lebensgewohnheiten können schon Krankheitsbedeutung besitzen. Nicht selten wird beobachtet, dass der sonst sprechfreudige „Bubi“ plötzlich stumm geworden ist. Schwer erkrankte Vögel sitzen mehr oder weniger teilnahmslos, mit zum Teil geschlossenen Augen aufgeplustert auf dem Boden des Käfigs und nehmen wenig Anteil an der Umgebung. Der Appetit stagniert und die Vögel machen einen apathischen Eindruck. Die natürliche Scheu vor fremden Menschen geht verloren, und es ist aus diesen Gründen immer krankheitsverdächtig, wenn sich ein erwachsener Vogel auffallend „zahm“ verhält und sich ohne größere Fluchtreaktion fangen lässt.

Leichtere Erkrankungen können vom Vogel weitgehend kompensiert werden. Nur der aufmerksame Betrachter wird Veränderungen im Verhalten feststellen. Klinisch kranke Vögel sind generell als schwer krank anzusehen.

Kompliziert wird diese Problematik noch dadurch, dass die Besitzer die tierärztliche Sprechstunde erst aufsuchen, wenn der Vogel schon einige Zeit erkrankt ist, sich also in einem Krankheitsstadium befindet, welches eine therapeutische Beeinflussung der Erkrankung kaum mehr zulässt.

Darum sollte der Halter gegenüber dem Tierarzt folgende Fragen beantworten können:

- Wie alt ist der Vogel?

- Wie lange ist er beim Besitzer, woher hat er ihn erworben?

- Wie ist die Haltung?

- Womit wird der Vogel gefüttert?

- Wann sind die ersten Krankheitserscheinungen und in

welcher Stärke aufgetreten?

- Wurde schon eine Behandlung an dem Vogel durchgeführt?

Wenn ja: Welche?

- War der Vogel früher schon einmal erkrankt?

- Bestehen nach Ansicht des Halters kausale Zusammenhänge

zwischen Haltung, Fütterung und den aufgetretenen

Erscheinungen?

- Werden noch andere Vögel beziehungsweise Tiere gehalten?

Anworten auf diese Fragen bilden eine wichtige Grundlage für eine Therapie mit Erfolgschancen.