TIERE
KOLUMNE von Tierarzt Dr. Peter Kollmann
Kastration von Katzen

Dr. Peter Kollmann Gaspoltshofen, Tel. 07735/ 6943
Gern werden junge Katzen beim Spielen fotografiert oder gefilmt. Doch die Idylle trügt, denn viele neugeborene Katzen leben unter denkbar schlechten Voraussetzungen. Katzen können im Jahr etwa drei Würfe zur Welt bringen. Jeder Wurf umfasst 3-6 Katzen. Mit 6 bis 7 Monaten sind die Tiere geschlechtsreif. Innerhalb kürzester Zeit entsteht eine so große Katzenpopulation, die sich kaum noch ernähren kann, krank wird und eine Quelle für Infektionskrankheiten der Katzen darstellt.
Außerdem kann eine zu große Anzahl wildernder Katzen sich auch negativ auf Vogelbestände auswirken. Wilde Katzen lassen sich nicht mehr zähmen, da sie ihre Freiheit gewohnt sind und jeder geschlossene Raum für sie einen Stressfaktor darstellt. Sie würden darunter leiden und krank werden. Die Kastration der Tiere ist daher die einzige Möglichkeit, ihre unkontrollierte Vermehrung wirksam einzuschränken.
Was passiert bei der Kastration von Katzen? Landläufig wird von der Kastration des Katers und der Sterilisation der weiblichen Katze gesprochen. Sachlich ist das falsch. Bei der Kastration werden immer die primären Geschlechtsorgane entfernt. Beim Kater sind das die Hoden und bei der weiblichen Katze die Eierstöcke. Die Geschlechtshormone werden nicht mehr produziert, das triebhafte Verhalten der Tiere erlischt. Würden die Tiere nur unfruchtbar gemacht, wie das bei einer Sterilisation erfolgt, könnten die Tiere zwar keine Jungen mehr bekommen, aber der Trieb wäre erhalten. Die weiblichen Tiere würden weiter rollig werden. Das ist für uns Menschen eine recht unangenehme Belästigung, aber viel bedeutender wären die Auswirkungen für die Katzen selber. Diese Tiere neigen häufig zu Eierstockzysten, die eine Dauerrolligkeit nach sich ziehen können. Kater wollen gleichfalls zu ihrem Geschlechtspartner und wandern dafür lange Strecken. Sind mehrere Kater anwesend, kämpfen sie um die angebetete Katze und tragen oft schwere Wunden davon.
Auch unsere Wohnungskatzen sind nicht ohne Kastration ruhig in der Wohnung zu halten. Viele versuchen in der Paarungszeit, die häusliche Umgebung zu verlassen. Diese „Ausbrüche” enden oft mit Unfällen. Die Kastration ist daher auch bei der Wohnungshaltung nur zu empfehlen. Dort führt das Markieren der Kater oft zu extremem Geruch, der kaum aus dem Teppich oder den Polstern zu verbannen sind.
Das günstigste Alter für die Kastration liegt zwischen dem 5. und 8. Lebensmonat, aber auch jüngere/ältere Tiere können noch ohne Probleme kastriert werden, wenn sie gesund sind. Bei der Kastration erhalten die Tiere eine Vollnarkose, vor der sie mindestens 12 Stunden nüchtern sein sollten. Die meisten Katzen sind nach ein bis zwei Tagen bereits wieder so munter, dass kaum jemand glauben würde, dass sie operiert wurden.
Bei weiblichen Katzen gibt es als Alternative zur Kastration die Hormonbehandlung. Damit kann eine spätere Belegung der Katze offen gehalten werden. Als Dauerlösung ist aber von der Hormonbehandlung abzuraten. Die Nebenwirkungen dieser Präparate sind nicht außer Acht zu lassen. Außerdem ist diese Behandlung für den Tierbesitzer teurer als eine Kastration.

