GESUNDHEIT
KOLUMNE „Gesund Bleiben!
Wechselwirkungen zwischen Arznei- und Lebensmitteln

Apotheker Wolfgang Storch, Dreifaltigkeitsapotheke Grieskirchen
Neulich kam eine Stammkundin in die Apotheke und fragte besorgt bei mir nach, weil sie etwas Wichtiges in der Gesundheitsbeilage einer Tageszeitung gelesen hat. Sie trinkt nämlich seit 10 Jahren regelmäßig zum Frühstück und Mittagessen ein Glas Grapefruitsaft, und das soll, laut Artikel, in Kombination mit ihrem Medikament gefährlich sein. Ich fragte nach ihrer aktuellen Medikation. Die Kundin nimmt seit fünf Jahren eine halbe Stunde vor dem Frühstück ein Mittel gegen Bluthochdruck ein. Bisher hat sie es gut vertragen, aber der Bericht verunsichert sie. Was tun? Ich sagte ihr, dass es in ihrem Fall durchaus eine Wechselwirkung zwischen dem Arzneimittel und dem Grapefruitsaft gibt. Auffällig war die relativ niedrige Dosierung des Arzneimittels, aber durch den regelmäßigen Genuss von Grapefruitsaft hat sich die Wirkung des Medikaments so verstärkt, dass es für ihren Blutdruck gut gepasst hat. Ich bin zu dem Schluss gekommen, der Dame nicht die Änderung ihrer Lebensgewohnheiten zu empfehlen, sondern habe ihr geraten, diese beizubehalten. Doch wenn sie sich entschließt, ihren Saftkonsum einzuschränken, so sollte das in Absprache mit ihrem Arzt passieren, da das Blutdruckmittel dann nicht mehr „künstlich” verstärkt wird und somit seine volle Wirkung nicht mehr entfalten kann.
Sicher stellt dieses Beispiel eine Ausnahme dar, aber es zeigt auf, dass es nicht nur zu Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln kommen kann, sondern auch mit herkömmlichen Lebensmitteln. Generell kann man sagen, dass gewisse Cholesterinsenker, die sogenannten Statine, aber auch Blutdruckmittel wie Amlodipin oder Nifedipin und Immunsupressiva wie Ciclosporin ein großes Wechselwirkungspotenzial mit Grapefruitprodukten besitzen. Denken Sie aber auch an Milchprodukte! Sie können eine hohe Bindungskraft besitzen und so die Wirksamkeit der Arznei, etwa von Eisen- oder Schilddrüsenhormontabletten, herabsetzen. Verwenden Sie immer ein Glas Wasser zur Einnahme der Medikamente. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen das größte Missverständnis erläutern, das ich Tag für Tag erlebe. Es hat auch mit einer Wechselwirkung mit Lebensmitteln zu tun. Ihr Arzt oder Apotheker sagt Ihnen, Sie sollen den Magenschutz, einen so genannten Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol, mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück einnehmen. Sie denken sich, dass sie die Tabletten besser vertragen, wenn sie diese kurz vor der Mahlzeit einnehmen. Was passiert? Die gleichzeitige Nahrungsaufnahme deaktiviert den Magenschutz und die Wirkung geht größtenteils verloren, Ihre Magenschleimhautentzündung oder Sodbrennen werden nicht besser. Nicht, weil das Mittel schlecht ist, sondern durch die falsche Einnahme. „Vor dem Essen” bedeutet, dass man das Medikament mindestens eine halbe (!), besser eine Stunde vor der Mahlzeit einnimmt, „zur Mahlzeit” erklärt sich von selber und „nach der Mahlzeit” heißt, sie nehmen die Tablette ca. zwei Stunden danach ein.
Und Sie wissen ja: Zu Risiken, Nebenwirkungen UND Wechselwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!
Autor: von Apotheker Wolfgang Storch, Dreifaltigkeitsapotheke Grieskirchen

