22. Mai 2012

AKTUELLES

Lospech für ÖVP

Einmal der Gigl, einmal der Gogl! Diese Volksweisheit gilt in Pollham nicht. Hier hielten die Wähler ihrem langjährigen Bürgermeister Johann Giglleitner die Treue. Der 52-jährige Ortschef fügte mit seiner Bürgerliste den Ex-Kollegen von der ÖVP eine herbe Wahlniederlage zu. Kurios: Uber den Ortsvize entschied das Los.


Bürgermeister Johann Giglleitner gewann mit eigener Liste.

Im 1.000-Einwohnerort Pollham haben lange Amtsperioden und VP-Bürgermeister Tradition. Franz Aichinger war fast 30 Jahre Ortschef, Johann Giglleitner 17 Jahre lang, ehe er genau vor 18 Jahren, am 21. Oktober 1991, in dieser Funktion vom gleichnamigen Sohn abgelöst wurde.

Johann Giglleitner junior war damals mit 34 Jahren einer der jüngsten Bürgermeister überhaupt. Und obwohl er 2003 für die ÖVP das beste Wahlergebnis (10 Mandate) seit 36 Jahren eingefahren hatte, bekam er vor der heurigen Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl von der eigenen Fraktion keine Rückendeckung mehr. „Bei uns war es immer üblich, dass es eine für jedermann offene Vorwahl gibt, die über den Spitzenkandidaten und die weitere Reihung entschied. Das wurde diesmal mehrheitlich abgelehnt. Außerdem gab es in der Gemeindeparteileitung eine hauchdünne Mehrheit gegen mich,” erzählt Giglleitner. „Das war mir zu wenig demokratisch.”

Also gründete der Bürgermeister mit einigen VP-Kollegen und unabhängigen Kandidaten die „Liste Bürgermeister Giglleitner” und sorgte am Wahltag für die große Überraschung: Die VP und die Bürgermeisterliste erhielten bei der Gemeinderatswahl jeweils (!) 281 Stimmen. Ein einzigartiges Ergebnis in der Wahlgeschichte Oberösterreichs. Die Bürgermeisterwahl gewann Giglleitner mit 43 Stimmen Vorsprung auf VP-Kandidat Johann Humer. Giglleitner: „Die Gerechtigkeit hat gesiegt!”

Unterm Strich gab es je fünf Mandate für „Gigl” sowie die VP und je einen Sitz für SP und FP. Zu vergeben waren allerdings 13 Mandate. Was tun bei Stimmen- und Mandatsgleichheit? „Diese Situation war wirklich außergewöhnlich. Die Pollhamer haben mich gleich nach dem Auszählen angerufen,” erklärt Landeswahlleiter-Stellvertreter Mag. Josef Gruber. „Die Rechtslage ist aber klar. In diesem Fall musste das Los entscheiden.”

Also schrieb man in Pollham auf zwei Zetteln „ÖVP” und auf zwei andere Zetteln „Liste Bürgermeister Giglleitner” und ließ das jüngste Mitglieder der Wahlkommission Glücksengel spielen. Das Los fiel auf die Bürgermeister-Fraktion. Sie verfügt jetzt über sechs Mandate und darf daher auch den Vizebürgermeister stellen. Giglleitner: „Wer das wird, entscheiden wir in den nächsten Wochen. Vier Männer und zwei Frauen stehen zur Wahl.”

Jetzt krempeln „Gigl” und sein Team wieder die Ärmel hoch. Ein Beachvolleyballplatz ist fast fertig. Als nächstes wird ein Veranstaltungssaal mit einem Proberaum für die Musikkapelle gebaut, die GWB errichtet acht Mietwohnungen. „Weiters wollen wir Baugründe für Jungfamilien schaffen, denn Pollham ist als Wohngemeinde sehr attraktiv,” so der Ortschef.