22. Mai 2012

AKTUELLES

Zum 70-Jahr-Jubiläum der Hauptschule

Neumarkt/H. freut sich auf ein Klassentreffen, das alle Rekorde bricht


Die Hauptschule Neumarkt ist eine der größten im Hausruck und mit 70 Jahren die drittälteste im Bezirk Grieskirchen. Hier wurde ein wichtiges Kapitel im Leben von mehr als 5.000 Schülern und 200 Lehrern geschrieben. Die Jubiläumsfeier wird eine spannende und lehrreiche Lektion in Heimatkunde.


Im Bild sieht man eine Klasse der Volksschule Kallham von 1936. In einer solchen saßen ab 1939 auch die ersten Hauptschüler.

Nacherzählungen kennt jeder aus dem Deutschunterricht. In diesem Fall ist der „Erzähler” kein Schüler, sondern eine Schule, in der mehr als 5.200 Lebensgeschichten mitgeschrieben worden sind. 70 Jahre Hauptschule Neumarkt im Hausruckkreis sind eine Geschichte über Diktatur und Krieg, Wiederaufbau und Fortschritt.

Bis 1939 gab es im Bezirk nur zwei Hauptschulen: in Grieskirchen und Peuerbach. Die Gemeinden Kallham und Neumarkt waren von den Nationalsozialisten zur Einheitsgemeinde Neumarkt-Kallham zusammengefasst worden. Hier sollte eine weitere Hauptschule entstehen. Sie wurde am 18. September 1939 in der Volksschule Kallham angesiedelt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die beiden Gemeinden wieder getrennte Wege. Jede hatte im Laufe der Jahre immer eine eigene Volksschule, doch die gemeinsame Hauptschule in Kallham wurde zu klein. Ein Neubau musste her, und der sollte diesmal in Neumarkt entstehen.

1961 eröffnete Landeshauptmann Heinrich Gleißner den Neubau. Die Übersiedlung der Lehrmittel war unter Anweisung der Lehrer von den Schülern selbst bewerkstelligt worden. Mit 17 Leiterwagen wurden Bücher, Karten, Leinwände… über die neu asphaltierte, aber für den Verkehr noch gesperrte Fernstraße von Kallham nach Neumarkt transportiert. „Das war eine Riesengaudi,” erinnert sich Ernst Wimmer, damals selbst Schüler, später Lehrer und Direktor der Schule (lesen Sie dazu den „Landler des Monats” auf der Seite 16).

Derzeit besuchen 207 Mädchen und Buben die Hauptschule, wo sie von 22 Lehrern in zehn Klassen unterrichtet werden. Die Kinder kommen aus Neumarkt, Kallham, Pötting, Taufkirchen/Trattnach, Bruck-Waasen, Michaelnbach, Wendling und Tollet. „Leider haben wir heuer um drei Schüler weniger, was uns eine Klasse gekostet hat. Ich hoffe aber, dass wir nächstes Jahr wieder elf Klassen bilden können,” gibt sich Direktor Franz Becksteiner optimistisch. Der Lehrer aus Hofkirchen/ Trattnach folgte im April Ernst Wimmer als Schulleiter nach.

Für das Schuljubiläum, das offiziell am 13./14. November gefeiert wird, erstellte die Lehrerschaft mit den Schülern in einjähriger Arbeit eine umfassende Festschrift (siehe Seite 16). „Diese Arbeit war eine faszinierende Reise in die Geschichte, die auch den Schülern viel Spaß bereitet hat,” erzählt Hauptschullehrer Peter Stumptner (50), der seit 1980 in Neumarkt lehrt.

Zur Krönung der 70-Jahr-Feier freut sich Neumarkt auf ein riesiges Klassentreffen. Mehr als 1.000 ehemalige Schüler aus nah und fern werden erwartet. Ernst Wimmer: „Erfreulicherweise hat sich aus mehr als 200 ehemaligen Klassen jemand gefunden, der sich anhand von EDV-Listen die Mühe gemacht hat, einstige Mitschüler ausfindig zu machen. Jetzt sind alle gespannt, wieviele wirklich kommen. Die örtliche Gastronomie ist jedenfalls für den Festtag schon ausgebucht.”

Der Stier ist los


Diese Geschichte hat der heute 59 Jahre alte pensionierte Postbeamte Eduard Bruckbauer seinem 11-jährigen Enkel Max Till erzählt, der sie aufgeschrieben hat. Bruckbauer war beim Zwischenfall mit dem Stier so alt (Bild) wie sein Enkel heute. Sie ist eine der 52 Erzählungen in der Schulfestschrift.

In den 50er-Jahren besuchte mein Opa in Neumarkt die Schule. Früher war es so, dass jedes Jahr der Röntgenbus in den Ort kam, denn die Schüler mussten aus gesundheitlichen Gründen geröntgt werden.

Zur gleichen Zeit wurden auf der Marktwaage Stiere und Kühe gewogen. Die Schüler, unter ihnen auch mein Opa, standen gerade mit ihrem Lehrer in einer Reihe vor dem Röntgenbus, als einer der Stiere auskam. Das Tier rannte wütend auf die Schüler zu. Die Kinder flüchteten alle in die Häuser am Marktplatz, nur der Lehrer blieb stehen. Und auf diesen rannte der Stier zu. Der Lehrer stand an einer Mauer und der Stier drückte ihn dagegen. Gott sei Dank kamen ihm vier Metzger zu Hilfe, die den Stier mit viel Mühe einfingen.

Der Lehrer hatte einige Blutergüsse am ganzen Körper und ein blaues Auge. Mehr war ihm nicht passiert, er hatte großes Glück gehabt. Der Stier wurde wieder zurück in den Schlachthof gebracht.

52 Erzählungen, die Erinnerungen wecken 

Die Festschrift zum 70-Jahr-Jubiläum der Hauptschule Neumarkt zeichnet deren wechselvolle Geschichte nach. Im ersten Teil findet man eine umfassende Schulchronik, für die zahlreiche Quellen angezapft wurden. Neben Gemeinde- und Pfarrarchiven durchforstete man auch das Landesarchiv. Im Informatikunterricht tippten die Schüler viele handgeschriebene Texte, die großteils noch in Kurrentschrift verfasst waren, in den Computer. Unzählige Fotos, die auch von Privatpersonen zur Verfügung gestellt wurden, musste man einscannen und bearbeiten.

Der zweite Teil der Broschüre enthält 52 Erzählungen aus erster Hand, die vielfältigste Erinnerungen an die vergangenen Jahrzehnte wecken. Dabei handelt es sich um wahre Begebenheiten, die Eltern oder Großeltern ihren Kindern oder Enkerln erzählten, und die von denen niedergeschrieben wurden.

Von der Festschrift liegen vorerst 500 Stück auf, gibt es mehr Bestellungen, wird nachgedruckt.