LANDLER/IN DES MONATS
Heidelinde Staudinger

Mit einer Bleistiftzeichnung der Bremer Stadtmusikanten hat alles begonnen. Das war eine der Aufgaben für Heidelinde Staudinger bei der Aufnahmsprüfung an der Linzer Kunstschule. Die hat sie so hervorragend gelöst, dass sie unter 350 Bewerbern zu den 150 Auserwählten zählte. „Als mir der Professor sagte, dass ich es geschafft habe, musste ich weinen,” erinnert sich Staudinger. In die Freudentränen mischte sich Trauer, weil „meine Eltern gesagt haben, von der Kunst kann man nicht leben. Sie wollten, dass ich Opas Optiker- und Büchsenmachergeschäft in Linz übernehme”. Deshalb besuchte die gebürtige Ennserin parallel zur Kunstschule eine kaufmännische Schule, „was mir später bei der Arbeit im Betrieb meines Mannes sehr geholfen hat.”
Die Hinwendung zum Musischen erfuhr Heidi Staudinger schon im Elternhaus. Mit ihrem Vater hatte sie früh gesungen und musiziert. Sie lernte Zither, später Gitarre. Als Heidis Vater Bahnvorstand in Neumarkt wurde, übersiedelte die Familie in den Hausruck. „Da habe ich gesehen, dass überhaupt nichts los ist, also habe ich 1968 einen Kinder- und Jugendchor gegründet,” erzählt die Mutter von zwei Söhnen und einer Tochter, die mittlerweile auch von sechs Enkerln auf Trab gehalten wird.
Die 27 Jahre als Chorleiterin haben die begeisterte Köchin allerdings nicht ausgelastet. Sie stand auch lange dem Pfarrgemeinderat vor, leitete Firmvorbereitungen sowie Jungschar- und Jugendgruppen. Als Kursleiterin ist Staudinger, die in der Vorwoche ihren 68. Geburtstag feierte, im ganze Lande begehrt. Dabei hat sie rasch gemerkt, „dass viele Menschen Begabungen haben, es ihnen aber an Selbstvertrauen fehlt. Das zu wecken, und Anerkennung zu geben und zu finden, ist wunderschön,” so die humorvolle Lehrmeisterin, die „auch ein bissl streng sein kann.”
Hervorragend unterstützt wird die Umtriebige bei ihren Aktivitäten von Ehemann Kurt, den sie liebevoll ihren ersten Chefsekretär nennt. Vor wenigen Tagen erhielt Heidelinde Staudinger, die viele Restaurierungen ehrenamtlich macht und sich laufend für wohltätige Zwecke einsetzt, die Verdienstmedaille des Landes verliehen. Eine erstklassige Entscheidung.

