22. Mai 2012

REPORTAGE

Unbesteigbare Wand besiegt


Franz (24) und Georg „Irg” Steiner (21)

Eine ganze Generation der besten Bergführer hatte vergeblich nach einer direkten Durchsteigungsmöglichkeit gesucht, als am 22. September 1909 gegen 6 Uhr Franz (24) und Georg „Irg” Steiner (21, Bild) vor dem Einstieg der Dachstein-Südwand stehen. Der Felsen ragt vor ihnen steil und glatt 800 Meter empor. „In Gottsnam’, gemma’s an”, sagen sich die Brüder und starten ihre Extremtour. Als einziges Hilfsmittel hatten sie ein Hanfseil und einen zwei Meter langen Haselnussstock dabei. Mit drückte Franz den Vorsteiger Irg bei den überhängenden Felsen an die Wand.

Nach vier Stunden schwierigster Kletterei war die Erstbesteigung perfekt. „Da kemman wohl zwei Teufln auffa!”, staunte Dachstein-Pfarrer Pilz aus Hallstatt mit zwei Begleitern am Gipfel, die sich die Töne, die da aus der Südwand emporklangen, nicht erklären konnten. Als die Steiner-Buam vor ihnen auftauchten, war die Freude riesig. Auf der Heimfahrt setzte Franz Steiner ein Telegramm an die ÖAV-Sektion Austria ab: „Trotzige Dachstein Südwand gebändigt, Franz und Georg Steiner.”