22. Mai 2012

AKTUELLES

Die Ziegenhaltung ist wieder modern

„Eisenbahnerkuh” bringt gutes Geld

In Oberösterreich, und hier vor allem auch im Landl, wird so viel gemeckert wie schon seit Jahren nicht mehr. Und das ist erfreulich! Denn die Ziegenhaltung befindet sich im Aufwind und bietet den heimischen Landwirten eine neue Erwerbschance. Ziegenmilch bringt mehr als Kuhmilch.


Bettina Pointner mit ihren Töchtern Gloria (7) und Viktoria (9) im Kreise ihrer Ziegen, die sich offenbar bei ihnen sehr wohl fühlen. Die Tiere bekamen heuer drei Zwillinge und drei Drillinge, was selten ist.

Aktuell gibt es landesweit 2.500 Ziegenhalter mit 18.400 Ziegen von 14 verschiedenen Rassen, womit Oberösterreich das ziegenstärkste Bundesland ist. Zum Vergleich: 2005 zählte man ob der Enns nur 11.000 Ziegen. In den vergangenen drei Jahren haben sogar etwa 60 Bauern durch die Ziegenhaltung wieder auf Vollerwerb umgestellt, der sich ab etwa 150 Tieren rentiert.

Auch im Landl wird auf immer mehr Höfen wieder gemeckert. Im Bezirk Grieskirchen stieg seit 2005 die Zahl der Ziegen von 600 auf 1.500 Tiere, im Bezirk Eferding gibt es derzeit 699 Ziegen (2005: 505) und im Bezirk Schärding sind es 545 (2005 waren es nur 219).

Warum erfreut sich die „Eisenbahnerkuh” plötzlich zunehmender Beliebtheit? Einerseits, weil die Ertragssituation der Kuhmilchbauern so schlecht ist wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr, und andererseits, weil die Konsumenten immer mehr die Qualität der Ziegenprodukte zu schätzen wissen.

Zur Situation beim Ertrag: „Während der Produzent für einen Liter Bio-Kuhmilch derzeit im Schnitt 31 Cent erhält, werden für einen Liter Bio-Ziegenmilch durchschnittlich 70 Cent bezahlt,” weiß DI Christine Braunreiter , Referentin für Schaf- und Ziegenhaltung in der Abteilung Tierproduktion der OÖ-Landwirtschaftskammer. Im Vorjahr wurden in Oberösterreich acht Millionen Kilo Ziegenmilch produziert (2007: 6,5 Millionen), heuer werden es schon neun Millionen sein. Braunreiter: „Pro Jahr und Ziege kann man bis zu 750 Kilo Milch rechnen.” Die größten Ziegenmilchabnehmer in Öberösterreich sind die Käserei Schlierbach und die Molkerei Leeb in Schlierbach. Der Bezirk Kirchdorf gilt mit 3.200 Ziegen überhaupt als die Ziegenmetropole im Land.

Viele Ziegenbauern vermarkten ihre Produkte selbst. Dabei hilft, dass Ziegenmilch sehr gesund ist. Das bestätigt Bettina Pointner aus Bruck-Waasen. „Während immer mehr Menschen auf Kuhmilch allergisch reagieren, ist Ziegenmilch für jeden verträglich,” so die 40-jährige Mutter zweier Töchter, die seit zehn Jahren Ziegen hält und auch 25 Mutterschafe betreut.

Die Milch der Ziege tut allerdings nicht nur Allergikern gut. Pointner: „Sie ist beispielsweise auch gut für Lunge und Darm und hilft ausgezeichnet bei Neurodermitis, das habe ich selbst bei meiner Tochter gesehen. Sie war innerhalb kurzer Zeit beschwerdefrei. Auch beim Zellaufbau ist Ziegenmilch hilfreich, was für Krebspatienten sehr wichtig ist.”

Gute Gründe also, warum sich immer mehr Menschen direkt beim Bauern mit Ziegenmilch eindecken. „Wenn man sie vorher leicht erhitzt, hält sie sich bis zu drei Tage frisch, man kann sie aber auch einfrieren,” rät Pointner. Tiere schätzen die Milch von der Geiß ebenfalls. „Man kann damit alle Jungtiere aufziehen,” weiß die Hobby-Hundezüchterin aus Bruck-Waasen.

Zunehmend greifen die Konsumenten auch zu Käse, Fleisch und Salami von der Ziege. Bettina Pointner: „Das habenwir heuer bei den vielen Besuchern unseres alljährlichen Schaf- und Ziegenbauernmarkts zu Pfingsten in Schlüßlberg gesehen.”

Übrigens: „Bei Schafprodukten ist die Nachfrage größer als das Angebot,” sagt Christine Braunreiter. Eine weitere Chance für die Landwirte.