22. Mai 2012

AKTUELLES

Autohändler jubeln

Das Neuwagengeschäft und die Werkstätten laufen derzeit auf Vollgas. Beim Kauf von Gebrauchtautos stehen die Kunden auf der Bremse. Die Autohändler stellen sich mit Spannung die Frage: Wie geht es nach der Ökoprämie weiter?


Mag. Dieter Wurzer, Gremialgeschäftsführer: „Autokäufer sollten bedenken, dass mit 1. Jänner 2010 die Nova für Neuwagen mit mehr als 180 Gramm CO2-Austoss erhöht wird. Das verteuert solch Autos dann um 600 Euro."

Von Jänner bis April wurden heuer in Oberösterreich 17.241 PKW-Neuzulassungen registriert. Das sind zwar um 4,6 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, doch die Autohändler haben keinen Grund zu klagen. Sie haben momentan Hochsaison. Mit der Ökoprämie ist vor allem ein Sturm auf neue Kleinwagen ausgebrochen. Der April war in Oberösterreich mit 6.555 verkauften Autos der beste Monat seit vielen Jahren. Zum Vergleich: 2008 wurden im April 5.321 Neuwagen verkauft, 2007 waren es 4.936 und 2006 stehen 5.326 Autoverkäufe zu Buche.

Spätestens im August läuft die auf 30.000 Autos beschränkte Ökoprämie aus, weil schon mehr als 25.000 Ökoprämien ausbezahlt worden sind. Was dann? „Das fragen sich alle,” weiß Mag. Dieter Wurzer, Geschäftsführer der Sparte Fahrzeughandel in der OÖ-Wirtschaftskammer. „Möglicherweise steigt dann die Nachfrage am Gebrauchtwagenmarkt wieder an. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass es ab 1. Jänner 2010 einen zusätzlichen Malus für Autos mit mehr als 180 Gramm CO2-Emissionen geben wird, was diese Autos um 600 Euro verteuern wird. Das könnte im Herbst noch einmal den Verkauf etwas größerer Autos ankurbeln.”

Ford Danner-Geschäftsführer Josef Frischmuth bleibt zuversichtlich: „Die Ökoprämie war ein wichtiger Impuls, doch sie ist längst nicht mehr verkaufsbestimmend. Gekauft wird kostenbewusst ganz gezielt, was gefällt.” Ähnlich sieht die Lage Renault-Kriegner Verkaufsleiter Raimund Sturm: „Vor allem die älteren Menschen sind bereit, Geld für’s Auto auszugeben.” Er registriert allerdings, „dass das Leasinggeschäft zurückgeht, wenn die Menschen Angst um ihren Job haben.”

Zugute kommt der Autobranche zweifellos, dass es am Banksparkonto derzeit fast keine Zinsen gibt. Das erhöht die Bereitschaft zu Investitionen. Für viele wird das Auto zu einer „Sparkasse”, an der man seine Freude hat. „Kunden lassen jetzt sogar Schäden reparieren, die sie sonst nicht einmal sehen,” sagt der Grieskirchner Autohauschef Otto Stöbich.

Kritisch sieht Branchenkenner Johann Leeb aus Gallspach, der seit 30 Jahren im Autohandel tätig ist, die von Importeuren und Produzenten angefeuerten Rabattschlachten: „50 Prozent der Autohändler arbeiten bereits mit einem Deckungsbeitrag unter 0,7 Prozent. Das ist bedenklich.” Positiv vermerkt Leeb, dass es beim Nutzfahrzeugeverkauf an Klein- und Mittelbetriebe keine Rückgänge gibt.

Eher schleppend läuft derzeit der Gebrauchtwagenmarkt. Während gebrauchte Fahrzeuge bis zu 120 PS nach wie vor gesucht werden, sind Autos mit mehr Pferdestärken fast unverkäuflich. In diesem Zusammenhang warnt Autohauschef Roland Daxl vor Lockangeboten im Internet: „Da bleibt das Risiko der fehlenden Beratung und die Frage nach dem Service im Schadensfall.” Bei der Suche nach guten Gebrauchten wird man derzeit im Fachhandel leicht und sparsam fündig und dazu kommt die professionelle Beratung.

Auf hohem Niveau stagniert in Zeiten der Krise der Verkauf einspuriger Fahrzeuge (plus 1,3 Prozent im Jahr 2008). Dieser Markt hat sich allerdings zwischen 1989 und 2008 bei den Neuzulassungen verdoppelt. „Da gab es Jahre mit bis zu 20 Prozent Steigerungen,” so Dieter Wurzer.

2008 war das beste Geschäftsjahr seit dem Bestehen der Firma. Heuer läuft es noch besser. Die Menschen kaufen kostenbewusst und was ihnen gefällt. Der Werkstättenbetrieb geht so gut, dass wir sogar Leute aufnehmen konnten.
Josef Frischmuth, Ford Danner

Der Neuwagenverkauf ist heuer besser als im Vorjahr. Bevorzugt werden kleine, spritsparende und preiswerte Autos. Viel Wert legen die Kunden auch auf Sicherheit und eine möglichst lange Garantiezeit.
Roland Daxl, Honda Daxl

Kleinwagen gehen sehr gut. Vor allem der Dacia-Verkauf läuft extrem. Die Ökoprämie müsste man sofort verlängern. Für den Staat ist sie ja dank Nova und Mehrwertsteuer sogar ein Geschäft.
Raimund Sturm, Renault Kriegner

Die große Citroen-Modellpalette vor allem bei Kleinwagen bewährt sich derzeit sehr gut. Bedenklich sind aber die großen Rabattvorgaben der Importeure und Hersteller. Dadurch wird der Deckungsbeitrag für die Händler stark geschmälert.
Johann Leeb, Citroen Leeb

Das Neuwagengeschäft geht so gut wie noch nie. Die Käufer denken sehr kosten- und umweltbewusst. Die Werkstatt ist auch hervorragend ausgelastet. Man legt Wert auf einen ordentlichen Zustand des Autos.
Otto Stöbich, Nissan Stöbich

Die große Frage für den Fahrzeughandel ist: Wie geht es nach der Ökoprämie weiter? Auch ich habe keine Glaskugel, die darauf eine Antwort gibt. Möglicherweise gibt es einen Schub bei den Gebrauchtautos.
Mag. Dieter Wurzer, WK-Geschäftsführer