TIERE
KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann
Borreliose beim Hund

Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen Tel. 07735/6943
Bei der Borreliose handelt es sich um eine von Zecken übertragene bakterielle Infektion. Der Nachweis ist meist nur schwer zu erbringen, die Gefahr der Falschdiagnose oft gegeben, die Impfung ohne Kenntnis des Infektionsstandes nicht immer unproblematisch. Als Erregerreservoir gelten Waldsäugetiere und Vögel, über die sich Zeckenlarven bei der ersten Blutmahlzeit mit Borrelien infizieren. Bei einer erneuten Blutmahlzeit können die Nymphen schon Borrelien übertragen. Je nach Gebiet sind bis zu 75 % der Zecken mit Borrelien infiziert.
Nimmt eine Zecke über die Blutmahlzeit Borrelien auf, so wandern die Erreger zunächst in ihren Darm, den sie später durchdringen, um in die Speicheldrüse der Zecke zu wandern. Anschließend gelangen die Borrelien über den Speichel in den Wirt und beginnen sich auszubreiten.
Nach dem Eintritt der Borrelien reagiert der Organismus zunächst mit einer unspezifischen Immunantwort. Einige Wochen nach der Infektion beginnt der Wirtsorganismus mit der Produktion von spezifischen Antikörpern. Bei experimentell infizierten Hunden konnten bereits 4 - 6 Wochen nach der Infektion Antikörper nachgewiesen werden, die länger als 1 Jahr bestehen blieben. Trotz der spezifischen Immunantwort von Seiten des Wirtes, gelingt es den Borrelien, sich ihr durch Veränderungen ihrer Oberflächenproteine weitgehend zu entziehen. Somit ist trotz Antikörperbildung eine weitere Ausbreitung der Borrelien im Organismus möglich.
Die klinischen Symptome nach einer Borrelieninfektion können vielfältig sein. Es wird beschrieben, dass nur 5 % aller infizierten Hunde überhaupt klinische Symptome entwickeln. Bei experimentell infizierten Hunden erkrankten allerdings 75 % der Tiere. Im Gegensatz zum Menschen gibt es bei Hunden seltenst eine Hautentzündung. Eher findet sich in der frühen Infektionsphase Fieber bis 40,5°, Appetitlosigkeit sowie Abgeschlagenheit für ein bis zwei Tage.
Danach folgt eine mehrwöchige asymptomatische Phase. Im Anschluss daran zeigen die Tiere häufig erstmals für einige Tage eine Lahmheit, die oft auch ohne Behandlung wieder abklingt. Meist werden die Patienten zu diesem Zeitpunkt erstmalig in der Praxis vorgestellt. Neben einer Arthritissymptomatik wird auch über eine kardiale und nervale Organbeteiligung berichtet. Eine schwerwiegende Komplikation ist Nierenversagen. Diese Tiere zeigen Lethargie, Abmagerung, Erbrechen und entwickeln Ödeme. Über Todesfälle wird berichtet. Eine Häufung von Nierenversagen als Komplikation wird bei Golden- und Labrador-Retrievern sowie Berner Sennenhunden beobachtet.
Als Therapie müssen bestimmte Antibiotika mindestens über 30 Tage eingenommen werden. Eine Therapiekontrolle sollte serologisch aufgrund der Beharrlichkeit von Antikörpern nur in sehr langen Zeitintervallen angedacht werden. Wie bei der Borreliose ist auch bei FSME der Erregernachweis direkt aus der Zecke möglich, wenn diese frisch abgesammelt wurde und sich die Frage nach dem Infektionsrisiko stellt. In diesem Fall sollte die Zecke in einem Röhrchen mit Schraubverschluss eingeschickt werden.
Bei offenen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Tierarzt.

