22. Mai 2012

AKTUELLES

Vorbildwirkung für ganz Österreich

Peuerbach zeigt’s: Garten als Medizin

Im Garten blüht nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch auf. In Peuerbach hat man das frühzeitig erkannt und beim Bezirksaltenheim einen der ersten Therapiegärten im Lande errichtet. Seither pilgern Interessenten aus ganz Österreich nach Peuerbach, um das gesunde Vorbild zu studieren.


Beliebte und gesunde Oase: Der therapeutische „Hoagarten” beim Altenheim in Peuerbach.

„Wir machen nur die besten Erfahrungen. Unsere Bewohner sind von ihm begeistert, ebenso ihre Angehörigen und unsere Bediensteten,” schwärmt Brigitte Weishuber. Sie ist Pflegedienstleiterin im Bezirksalten- und Pflegeheim Peuerbach, in dem derzeit 113 Menschen wohnen. 2004 hat man hier mit Hilfe einer Expertin aus Niederösterreich einen der ersten Therapiegärten überhaupt angelegt.

Auf dem 500 m2 großen Areal blühen zwischen schönen Wegen und vielen Bänken Bäume, Blumen und Sträucher, wachsen Beeren, Weintrauben und Kräuter, in einem Hochbeet sprießen Salat, Radieschen und Kohlrabi. Die Heimbewohner genießen die Ruhe und Farbenpracht, erleben den Jahreslauf der Natur und helfen beim Jäten, Säen und - mit besonderer Vorliebe - beim Ernten.

Peuerbachs Therapiegarten wurde zu einem Vorzeigeprojekt. Jährlich kommen viele Delegationen, um sich Know-how zu holen. Weishuber: „Heuer war auch schon jemand von der Sozialabteilung der Kärntner Landesregierung da, um sich zu informieren.”

Die Gartentherapie wirkt bei Jung und Alt. Sie kommt bei Kindern mit Entwicklungsdefiziten ebenso zur Anwendung wie bei Menschen mit Depressionen, bei Suchtkranken sowie besonders in der Geriatrie.

„Alzheimerpatienten erhalten beispielsweise ein einziges Blumenkisterl, dem sie ihre Aufmerksamkeit widmen,” erzählt Dipl. Ing. Roswitha Wolf von der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien. Sie leitet die dortigen Jahrgänge für Gartentherapie, die es seit 2006 gibt. Die akademische Ausbildung findet breites Interesse. Wolf: „Ärzte, Pflegepersonal, Pädagogen und Gärtner melden sich für die viersemestrigen Kurse. Etwa 100 Absolventen gibt es bereits.”

Die Erfolge der Gartentherapie sind erstaunlich. So beginnen beispielsweise Demenzkranke nach langer Zeit wieder zu sprechen, wenn sie Blumen in der Hand halten und so Natur wieder „begreifen” können. Auch im Ambulatorium in St. Isidor in Leonding bewährt sich ein Therapiegarten. Kindern mit Beeinträchtigungen und ihren Familien werden hier neue Erfahrungen und Übungsfelder vermittelt.

Wer in seinem Garten Wert auf Artenvielfalt legt, findet dazu wertvolle Anregungen in der von der OÖ. Akademie für Umwelt und Natur herausgegebenen Broschüre „Alte Gartenpflanzen neu entdeckt”. Sie kann gratis bestellt werden: 0732/7720-13300 .