22. Mai 2012

AKTUELLES

Raue Sitten in der Arbeitswelt

Die schwierige wirtschaftliche Situation spiegelt sich bereits in der Tätigkeitsbilanz der Arbeiterkammer Eferding wider. 4.835 Mitglieder wandten sich im Jahr 2008 mit arbeits- und sozialrechtlichen Fragen an die AK - eine Steigerung von 45 Prozent!

Meist stehen Fragen zur Beendigung von Arbeitsverhältnissen und den damit verbundenen Ansprüchen im Mittelpunkt. Wie sehr sich allerdings durch die Wirtschaftskrise das Klima in den Betrieben verschlechtert hat, zeigen Fälle aus der Beratungspraxis. AK-Eferding Bezirkstellenleiter Franz Brutter berichtet beispielsweise, dass sich mancher Betrieb derzeit weigere, auch unbestrittene Forderungen (etwa Überstunden) zu bezahlen. „Manche Dienstgeber lassen es da auf eine Klage und sogar auf Exekution ankommen,” so Franz Brutter.

In einem weiteren Fall vertrat er eine Bäckerin, die im Krankenstand ihre Stelle verlor. Vom Dienstgeber vorenthaltene Zahlungen klagte die AK erfolgreich ein. Nun hätte die Frau Anspruch auf Krankengeld von der Gebietskrankenkasse. Die dafür nötige Entgeltbestätigung stellte der Unternehmer mit Hinweis auf die vorherige Klage einfach nicht aus. Die Ex-Mitarbeiterin hatte in Folge monatelang kein Einkommen, die AK strengt jetzt eine Schadenersatzklage an.

In manchen Betrieben ist die Krise Anlass, die Löhne zu kürzen. Beim neuen Vertrag kann es dann recht direkt zugehen. Brutter:„Ein Mitglied hat mir erzählt, dass es mit den Worten ,Du hast zwei Kredite, überlege Dir, ob Du gleich etwas Anderes findest’ zur Unterschrift bewogen werden sollte.” Vor jeder Vertragsänderung sollte man sich unbedingt beraten lassen, empfiehlt die Arbeiterkammer.