22. Mai 2012

AKTUELLES

4 Landlerinnen legen in einer Landeschronik ihre Lebenserinnerungen offen

Wie ich 12 war, gab es keine Arbeit, die ich nicht konnte

„Erlebte Geschichte - 90 Jahre Oberösterreich erzählt von seinen Menschen” heißt die soeben erschienen neue Landeschronik. Darin legen auch vier Landlerinnen ihre Lebenserinnerungen offen und geben ein Zeitzeugnis ab, das beeindruckt und nachdenklich macht.

2008 feierte Oberösterreich 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass wurden die Landsleute aufgerufen, von ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen zu berichten, die in einer Landeschronik münden sollten. Dieses Buch (372 Seiten, Trauner Verlag, 19,90.-) liegt nun vor. „Es ist das nachhaltigste der über 100 Jubiläumsprojekte,” sagt LH Dr. Josef Pühringer. „Viele Menschen in unserem Land haben ein bewegtes Leben hinter sich. Ihren Erfahrungsschatz wollen wir mit diesem Buch der jüngeren Generation zugänglich machen.”
Von 178 Oberösterreichern wurden 227 Beiträge eingesendet, davon finden sich 150 mit vielen Originalillustrationen in der neuen Landeschronik wieder. Außerdem enthält das Buch Erinnerungen von 26 prominenten Landsleuten.

Aus dem Landl sind vier Frauen dem Landesaufruf gefolgt. Das „Landl” zitiert aus ihren bewegenden Lebensrückblicken.

Theresia Waltenberger (87) aus Waizenkirchen gibt in „Erlebte Geschichte” Einblick in ihre Kindheit:
„…Wenn ich am Morgen in die Schule ging, wartete bereits meine erste Arbeit: Ich musste auf dem Leiterwagerl (im Winter mit dem Schlitten) Rahm zu manchen Häusern und in die Molkerei liefern. Am Nachhauseweg nahm ich die Buttermilch mit, die den Schweinen gefüttert wurde. Gleich nach dem Essen warteten dann andere Arbeiten auf mich…
Trotz allem konnte ich nach sechs Jahren mit einem guten Abschlusszeugnis die Volksschule verlassen und es wurde zu Hause schon eine vollwertige Arbeitskraft mit 12 Jahren erwartet. Es gab keine Arbeit, die ich nicht konnte, vom jochweisen Mähen mit der Sense angefangen bis zum Ackern mit den Ochsen, ja ich musste sogar Metzger spielen und ,Sau stechen’…
Es war gut, dass ich alles konnte, denn als ich 17 Jahre alt war, gab es in kaum einem Haus einen Mann, da diese einrücken mussten.”

Poldi Baumgartner (83) erinnert sich: „Es begann in Gaspoltshofen. Ich war fünf Jahre alt, als wir am Bahnhof einzogen. Mit 14 Jahren begann ich den Dienst bei der Eisenbahn in der Kanzlei meines Vaters. Es war kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges. Vier Jahre war ich da, machte Schalterdienst sowie Annahme, Ausgabe von Frachtgut. Mit 18 Jahren wechselte ich zum Fahrdienst und wurde Schaffnerin auf der Strecke Lambach-Haag. Sechsmal pro Tag hin und retour…”

Im Rückblick von Frida Stahrl (83) aus Geboltskirchen heißt es „…Die Burschen waren rar und ich stand da mit meinen 21 Jahren. Die Aufklärung war ein Tabuthema. Die Zeiten waren immer noch sehr schlecht, ich bekam ein lediges Kind, so eine Schande, aber nicht für meine Eltern. Die nahmen mich liebevoll auf und fütterten uns 2 Jahre durch. Nur für 6 Wochen nach der Entbindung bekam man einen Gehalt. Man war nicht mehr versichert, keine Karenz oder sonstige Hilfe, schon gar nicht vom Jugendamt. Nicht einmal eine Kinderbeihilfe, weil ich daheim eh nichts zahlen muss…”

Helga Vogl (67) aus Haag am Hausruck schreibt: „…Ich besuchte die Volks- und Hauptschule in Haag und kam dann nach Rottenbach in den ,Posten’ zu einer Familie. Dort führte ich den Haushalt und betreute drei Kinder… Ich bin immer noch Hausfrau, sozial engagiert und voll zufrieden mit meinem Leben.”