AKTUELLES
Alois Kaltseis ist seit mehr als 50 Jahren Mesner in Haibach
Treuer Diener vor dem Herrn
Ein wahrlich treuer Diener vor dem Herren ist Alois Kaltseis aus Haibach. Der 70-jährige arbeitet seit mehr als 50 (!) Jahren um Gottes Lohn als Mesner. Und der fünffache Vater ist kein bisschen amtsmüde. Ein Leben ohne Kirchendienst kann sich der „Mesner Lois” nicht vorstellen: „Mir taugt diese Arbeit!”

Pfarrgemeinderatsobmann Di Herbert Geyerhofer (re.) und seine Stellvertreterin Gerlinde Kaltseis bedankten sich so wie Pfarrer Josef Wundsam bei Alois Kaltseis für seine 50-jährige Arbeit. Alois’ Bruder Johann Kaltseis (74) ist übrigens Pfarrer in Pram und Wendling.
Die Haibacher Pfarrkirche ist für Alois Kaltseis sein zweites Zuhause. Seit mehr als 50 Jahren versieht er hier zumindest jeden Dienstag, Freitag, Samstag und Sonntag den Mesnerdienst. Dazu kamen im Lauf der Jahrzehnte hunderte Begräbnisse, Taufen und Hochzeiten, die er als Kirchendiener begleitet hat. Die Pfarrgemeinde weiß, was sie an ihrer lebenden Mesner-Legende hat: Die Haibacher nennen Alois Kaltseis liebevoll nur den „Mesner Lois”.
Die ersten Erfahrungen im Kirchendienst sammelte Kaltseis nach seiner Erstkommunion als Ministrant. Schritt für Schritt übernahm er dann bereits als Jugendlicher die Rolle des Mesners, die er mittlerweile schon seit mehr als 50 Jahren perfekt erfüllt. Urlaub kannten Alois Kaltseis und seine Familie in all den Jahren praktisch nicht. Der Kirchendienst ging vor, die Freizeit war immer knapp.
Neben seinem Hauptberuf als Tischler führte Alois Kaltseis die Kleinlandwirtschaft seiner Eltern weiter und zog mit Ehefrau Anna (65) fünf Kinder groß. „Früher waren alle Begräbnisse am Vormittag. Da musste ich um 9 Uhr von der Arbeit nach Hause fahren, mich umziehen, und dann ging’s in die Kirche. Um 13 Uhr war ich wieder am Arbeitsplatz. Die entgangene Arbeitszeit musste ich einarbeiten,” erzählt Alois Kaltseis. Früher musste er auch noch täglich auf den Kirchturm, um die Uhr aufzuziehen. „Das funktionierte aber dann bald elektrisch, was eine große Erleichterung war.” Genauso wie die neuen Messgewänder der Pfarrer. „Heute kann sich ein Pfarrer zur Not selbst anziehen. Früher war das wegen der vielen Bänder und Schnüre unmöglich,” weiß Mesner Lois.
Mehrmals hat der Herrgott schon schützend die Hand über seinen treuen Diener gehalten. Etwa als der 21-jährige Mesner bei einem Motorradsturz mit der Hüfte einen Beton-Randstein aus der Erde riss. „Mich wundert’s, dass es mich damals nicht selbst abgerissen hat,” lacht Alois. Er kam mit einem Beckenbruch davon, der ihn zwölf Wochen an ein Spitalsbett fesselte. Später erhielt Kaltseis eine künstliche Hüfte.
Seinen Humor verlor der Mesner auch nicht, als vor einigen Jahren eine Herzoperation notwendig wurde, bei der man ihm eine künstliche Herzklappe einsetzte. „Dagegen war die Hüftoperation eine Kleinigkeit. Aber mir geht es jetzt recht gut, obwohl ich einige Ersatzteile eingebaut habe.” An ein Ende als Kirchendiener verschwendet Alois Kaltseis keinen Gedanken: „Warum sollte ich? Mir taugt die Arbeit und der Kontakt mit den Menschen.” Die Haibacher können sich glücklich schätzen.

