REPORTAGE
Musikschuldirektor in Ruhe ist der Mozart unter den heim ischen Bienenzüchtern
Hinzenbacher Imker macht den besten Honig Österreichs
Der pensionierte Musikschuldirektor Siegfried Hangler aus Hinzenbach beherrscht die Klaviatur der Bienenzucht in Perfektion. Er ist der Mozart unter den Imkern. Sein „süßes Gold” besticht die kritischsten Juroren und heimst die höchsten Auszeichnungen ein. Hanglers Akazienhonig gilt seit Jahren als der beste Österreichs.

Emsig wie seine Bienen: Siegfried Hangler bei der Arbeit
Siegfried Hangler ist seit seinem 9. Lebensjahr Imker mit Leib und Seele. „Ein guter Honig ist mir mehr wert als eine Stunde weniger Arbeit,” sagt der heute 61-jährige, dessen Freizeit seit 52 Jahren die Bienenzucht dominiert.
Als Bub betreute Siegfried, dessen Leidenschaft für die Imkerei der Großvater entflammt hat, zwei Bienenvölker. Jetzt verfügt der Honigexperte über 35 Stöcke, die er auf zwei Eigenbauanhänger packt. Von Frühling bis Herbst reist Hangler mit seinen fahrenden Bienenhäusern zu den besten Honigrevieren Österreichs. Er ist noch einer der wenigen Wander-Imker. Seine Bienen schwärmen im ganzen Bundesgebiet aus. Normalerweise erzielt man mit einem Bienenstock pro Jahr einen Ertrag von 20 bis 25 Kilo, Hanglers Wandervölker sammeln etwa das Dreifache.
Je nach Jahreszeit produziert Hangler fünf verschiedene Honigsorten. Es beginnt in diesen Wochen mit gemischtem Blütenhonig, dann folgen reiner Akazienhonig, Waldblütenhonig, reiner Waldhonig und ab Mitte Juli gibt es den Sonnenblumenhonig.
Die erstklassige Qualität des süßen Goldes aus dem Hause Hangler besticht seit Jahren Fachjurys in ganz Österreich. 2002 erhielt der Musikschuldirektor für seinen Akazienhonig die „Goldene Honigwabe”, die bundesweit höchste Auszeichnung. Vor wenigen Tagen wurde Hanglers Akazienhonig zum fünften Mal in Folge auf der Fachmesse „Ab Hof” in Wieselburg mit einer Goldmedaille bedacht. Sein Cremehonig belegte Rang 3. 400 Honigeinsendungen aus ganz Österreich waren unter die Lupe genommen worden.
Was ist das Geheimnis hinter dem großartigen Akazienhonig Hanglers? „Er stammt aus dem Weinviertel. Dort blühen die Akazien ein paar Tage früher als bei uns, aber insgesamt auch nur 14 Tage. Die muss man genau erwischen,” verrät der Meisterimker. Dank seiner jahrzehntelangen Erfahrung hat Hangler das richtige Gespür dafür entwickelt, wo er wann sein Bienengeschwader zum Einsatz bringen muss. Dabei spielt auch die Seehöhe eine große Rolle. „100 Höhenmeter mehr bedeuten drei Tage Verzögerung in der Vegetation,” so Hangler, der seit 2002 als Obmann des Eferdinger Imkervereins und seiner 26 Mitglieder fungiert.
Im Haushalt von Ulrike und Siegfried Hangler stehen immer drei verschiedenen Honigsorten auf dem Tisch. Die Hausherrin verwendet auch beim Kochen nur Honig zum Süßen. Das edelt besonders ihre Kuchen, die eine pikante Süße auszeichnet. Ulrike Hangler: „Akazienhonig ist auch für Diabetiker sehr gut verträglich.” Prinzipiell gilt, dass Blütenhonig mehr Vitamine und Waldhonig mehr Mineralstoffe und Spurenelemente enthält. Seine gesunden Inhaltsstoffe verliert der Honig, wenn er bei der Herstellung aufgekocht wird, damit er flüssig bleibt.
Zum Imkeralltag gehört auch der Bienenstich und damit der Schmerz. Hangler: „An manchen Tagen kann man schon um die 20 Stiche abbekommen. Im Laufe der Jahre waren es bei mir sicher über 10.000, doch ich bin dagegen schon immun, spüre sie fast nicht mehr. Nach zwei Minuten ist die Rötung weg.”

