TIERE
KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann
Häufigste Krankheit: Staupe!

Dr. Peter Kollmann Gaspoltshofen, Tel. 07735/6943
Staupe ist die beim Hund am häufigsten auftretende Infektionskrankheit, die besonders oft Junghunde im Alter von zwei bis zwölf Monaten befällt. Alle Faktoren, die die Widerstandsfähigkeit des Welpen bzw. Junghundes beeinträchtigen (z. B. Wachstum, starker Wurmbefall, Zahnwechsel, schlechtere Fütterungs- und Haltungsbedingungen), erhöhen die Infektionsanfälligkeit erheblich. Das gilt aber nicht nur für die Staupe, sondern im Prinzip für alle Infektionskrankheiten.
Die Staupe wird sehr leicht durch Kontakt von Hund zu Hund übertragen. Auch der Mensch spielt als Zwischenträger eine bedeutende Rolle. Der Eintritt des Virus in den Organismus erfolgt über die oberen Schleimhäute des Atmungs- und des Verdauungsapparates. Es kommt zu einem Anstieg der Körpertemperatur auf 39,5 bis 41 Grad. Dieses Stadium dauert nur etwa 8 bis 48 Stunden. Gekennzeichnet ist dieser Abschnitt der Erkrankung durch Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit. Die Lidbindehäute sind gerötet, und es besteht ein wässriger Nasen- oder Augenausfluß. Gelegentlich tritt Durchfall auf.
Oft werden diese Anzeichen, besonders von unerfahrenen Hundehaltern, falsch interpretiert und bagatellisiert. Es ist aber für den Verlauf und die Heilung der Erkrankung von entscheidender Bedeutung, dieses Stadium zu erkennen und umgehend einen Tierarzt aufzusuchen. So kann durch eine Serumgabe der Staupeverlauf noch wirksam beeinflusst werden.
Nach ein bis zwei Tagen sinkt die Körpertemperatur wieder auf den Normalwert ab. Diese Tatsache erweckt den Anschein, dass die Erkrankung bereits überstanden sei. Die Körpertemperatur steigt aber nach wenigen Tagen wieder auf 40 Grad an. Die Staupeerreger haben sich in dieser Zeit in bestimmten Organen angesiedelt.
In diesem Stadium tritt eine bakterielle Sekundärinfektion auf, die den Verlauf der Erkrankung erheblich kompliziert und unter den verschiedensten klinischen Bildern ablaufen kann. Es kristallisieren sich im wesentlichen fünf Formen heraus, die allein oder kombiniert auftreten können: die katarrhische Form, die Lungenform, die Magen-Darm-Form, die Hautform oder die Augenform. Als Folgeerscheinungen können Herz- und Leberschädigungen auftreten.
Das dritte und gefürchtetste Stadium ist die nervöse Form, vielfach auch als Gehirnstaupe bekannt. Diese äußert sich in motorischer Unruhe, Schreckhaftigkeit und Muskelzittern. Oft bleiben epileptiforme Krämpfe, die sich in Abständen von wenigen Stunden bis zu mehreren Wochen oder Monaten wiederholen, als Folge einer durchgemachten Staupe bestehen. Die Heilungsaussichten der nervösen Staupe sind aufgrund der nicht zu behebenden Schädigungen des Nervensystems ausgesprochen gering.
Als bester Schutz gegen Staupe gilt die aktive Schutzimpfung. Jeder Immunisierung sollte eine Entwurmung vorangehen, da ein hoher Prozentsatz der Welpen an Spulwurmbefall leidet. Zur kontinuierlichen Aufrechterhaltung der Immunität ist eine jährliche Wiederholungsimpfung erforderlich.

