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Als Folge der Krise werden Textilien nun länger getragen
Flaute bei den Kleiderspenden
Angesichts der Wirtschaftskrise sparen die Oberösterreicher offenbar beim Ausmustern der Bekleidung. Textilien werden länger getragen. Second Hand-Läden registrieren derzeit eine Flaute bei den Kleiderspenden. Hingegen gab es zuletzt beim Halbpreis-Freitag der Volkshilfe Eferding-Grieskirchen eine Rekordnachfrage.
Mag. Fred Edlinger ist als Leiter der Volkshilfe Eferding-Grieskirchen ein genauer Beobachter der sozialen Vorgänge. Seine Organisation betreibt in Eferding, Schlüßlberg, Aschach an der Donau und Ottensheim Second Hand-Läden. „Ich habe den Eindruck, dass die Menschen jetzt ihre Textilien länger tragen. Dadurch ist die gespendete Bekleidung in einem schlechteren Zustand und wir könnten langsam in einen Angebotsengpass kommen,” so Edlinger.
Ein anderes Bild ergibt sich auf der Nachfrageseite. In den preiswerten Volkshilfe-Geschäften gibt es einmal im Monat als zusätzliches Angebot einen Halbpreis-Freitag. Fred Edlinger: „Dieser war im Februar so gut besucht wie noch nie zuvor seit Einführung dieses Tages.”
Bei der Caritas registriert man eine ähnliche Entwicklung. Vor Weihnachten erlebte sie noch einen Boom an Kleiderspenden. „Da haben die Menschen offenbar ihre Kästen ausgeräumt, um Platz für neue Textilien zu schaffen,” erklärt Christiane Dangl, die den Second Hand-Caritasladen („Carla”) in der Linzer Baumbachstraße leitet. „Seit einem Monat ist die Spendenfreudigkeit allerdings deutlich zurück gegangen. Das könnte aber auch damit zu tun haben, dass viele Oberösterreicher auf Urlaub sind. Besonderen Mangel haben wir an Herrenmode.” Der Linzer „Carla”-Shop war bei seiner Gründung vor 20 Jahren der erste dieser Art in Oberösterreich.
Bei der Caritas bereitet man sich darauf vor, dass sich in einigen Monaten vermehrt Menschen um Hilfe an sie wenden werden. „Zuerst brauchen die von der Krise Betroffenen ihr Erspartes auf, ehe sie in ihrer Not zu uns kommen,” weiß der stellvertretende Direktor Mag. Gerhard Reischl. „Ich rechne damit, dass es vor allem Menschen aus dem Leiharbeitsbereich sein werden. Von ihnen haben ja schon viele ihren Arbeitsplatz verloren.”
Insgesamt hat die Caritas Oberösterreich im Vorjahr in ihren elf Beratungsstellen etwa 8.000 Menschen in Armut betreut. Reischl: „Die Zahl der Hilfesuchenden ist etwa gleich geblieben, doch der Hilfsbedarf ist gestiegen. Die Unterstützungsleistungen für Energiekosten haben 2008 um 35 Prozent zugenommen, bei Lebensmitteln um 12 Prozent.”
Insgesamt lieferten die Oberösterreicher im Vorjahr 320 Tonnen Sachspenden bei der Caritas ab. Unter den 98.000 Gegenständen waren auch Luxusartikel wie teurer Goldschmuck und Pelzmäntel. 32.000 Frauen und Männer haben bei „Carla” eingekauft. Aus diesem Erlös erhalten Menschen in Not Bekleidung und Lebensmittel.

