AKTUELLES
Oberösterreichs Autoindustrie hat große Probleme
Krise als Chance
Oberösterreichs Autoindustrie ist so gut aufgestellt, dass sie ein rein oberösterreichisches Auto bauen könnte. Doch die Branche hat jetzt andere Sorgen. In kürzester Zeit sind die heimischen Autozulieferer von Vollgas auf Standgas abgebremst worden. Mehr als 5.000 Menschen haben schon ihre Arbeit verloren.
80.000 Menschen waren bis Anfang Oktober in Oberösterreich in der Automobilbranche beschäftigt. Jetzt sind es schon um mehr als 5.000 weniger, und die Talfahrt könnte dramatisch weiter gehen. „Man hat uns innerhalb weniger Tage völlig unverschuldet vom Vollgas gerissen. Wir haben die Krise von Amerika eingekauft,” erklärt Ing. Rudolf Mark. Der Eigentümer der Mark Metallwarenfabrik in Spital am Pyhrn ist Beiratssprecher des Automobil-Clusters Oberösterreich und verspürt die Krise schmerzlich in seiner eigenen Firma (250 Mitarbeiter, 37 Millionen Umsatz), die für alle namhaften Automarken unter anderem Präzisionsteile für ABS-, EPS- und Airbagsysteme herstellt. Mark: „Im September haben wir noch Rekordumsätze gemacht, Anfang Oktober brach die Nachfrage um 25 Prozent ein. Von 13 Mitarbeitern mussten wir uns leider schon trennen, für andere überlegen wir Qualifizierungsmodelle wie die Bildungskarenz.”
Wie ihm geht es der ganzen Branche. Jahrelang wurde mühsam qualifiziertes Personal gesucht, jetzt hat man Überkapazitäten und weiß nicht, wie lange die Misere andauert. „Zum Glück gibt es den Autocluster. Gemeinsam haben wir mehr Macht bei den Verhandlungen mit Regierungen und Kunden, als wenn jeder alleine kämpfen müsste,” so Mark.
Der Autocluster Oberösterreich wurde vor zehn Jahren gegründet und durchlebt jetzt seine schwierigste Zeit. Dem Netzwerk gehören 245 Unternehmen an, die im automotiven Sektor jährlich 17 Milliarden Euro umsetzen. Für jede Autokomponente gibt es in Oberösterreich einen Hersteller, so dass man ein rein oberösterreichisches Auto bauen könnte, quasi ein „Hoamatmobil”.
Ein Cluster-Vorschlag, wie man die Krise meistern könnte: „3.000.- Euro Verschrottungsprämie für Autos, die älter als zehn Jahre sind, und die Nova sollte für ein, zwei Jahre abgeschafft werden,” so Rudolf Mark. Das würde für alte Autos einen Bonus von etwa 5.000.- Euro bedeuten. So könne man den Automarkt wieder rasch ankurbeln, meint Mark, der damit rechnet, dass ansonsten 2009 in Österreich statt 300.000 Neuwagen nur 200.000 gekauft werden. Das Maßnahmenpaket wäre in ganz Europa nötig und nur halb so teuer wie die zu erwartenden zusätzlichen Arbeitslosen, rechnet Rudolf Mark vor.
Neben der aktuellen Krisenbewältigung müssen sich Oberösterreichs Autoteileproduzenten auch verstärkt für die Zukunft rüsten. „Es ist ein absolutes Muss, in die Forschung und Entwicklung alternativer und spritsparender Antriebe zu investieren,” weiß DI Thomas Eder, der Manager des Automobil-Clusters. „Elektroautos und Hybridfahrzeuge sind ebenso ein Thema wie der Leichtbau.” Gerade was die Werkstoffe betrifft, „verfügen die heimischen Firmen über ein sehr gutes Know-How und großes Potential,” so der Cluster-Manager.
„Es gibt keine Branche, die so kundenorientiert ist wie die unsere”

Die Dramatik rund rund um die
Auto(zuliefer)industrie verlangt
Offenheit und Scharfblick. Autohaus
Danner-Chef Josef Frischmuth analysiert
aus der Sicht des Autohandels:
Fünf „Landl”-Fragen - fünf Antworten
mit positiven Perspektiven.
Wie schwer trifft die Automobil-Krise konkret den Handel? Wem geht’s gut, wem schlecht?
Frischmuth: Ein qualifizierter Autohändler muss sein Heil in der Dienstleistung suchen. Wer früh genug die Bedeutung von Dienstleistung, Service und Kundenbindung erkannt hat, der wird diese Krise gut überstehen. Händler, die nur auf zusätzliche Marken gesetzt haben, müssen sich anstrengen. Aber prinzipiell muss man sagen, dass auf sehr hohem Niveau gejammert wird. Ein Verkaufsminus von 10 Prozent sollte bei den vielfältigen Leistungsmöglichkeiten eines Autohauses kein Problem sein. Die Menschen bleiben ja mobil!
Die Fuhrparks sind übervoll. Wer soll die Autos kaufen?
Frischmuth: Es gibt schon lange ein Strukturproblem in der Produktion. Allein in Europa wurden seit Jahren durchschnittlich drei Millionen Autos jährlich zuviel produziert und billig in den Markt gedrückt. Das geht jetzt nicht mehr. Strukturprobleme sind von vielen Konzernen hausgemacht. Die Wertschöpfungskette betrifft aber nur mehr zu 30 % den Konzern. Den größten Teil eines Autos machen ja Fertigkomponenten aus. Jetzt muss die Produktion heruntergefahren werden und darunter leiden die Zulieferer am härtesten!
Welche Maßnahmen würden jetzt dem Autohandel helfen?
Frischmuth: In Österreich sind derzeit 4,2 (!) Millionen Pkw zum Verkehr zugelassen. Das sind eineinhalb Autos pro Haushalt. 400.000 davon sind älter als 10 Jahre. Erzeuger, Händler und der Staat gemeinsam sollten Anreize schaffen, dass diese Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen und neue angeschafft werden. Das würde den Verkauf ankurbeln. Wir fordern diese Maßnahme seit Jahren!
Warum sollte man in diesen schwierigen Zeiten ein Auto kaufen?
Frischmuth: Wer jetzt ein Auto kauft, spart gegenüber Fahrzeugen der 90er Jahre 50 % Treibstoff bzw. halbiert die Emissionen. Es gibt attraktive Garantie- und Servicebedingungen, mehr aktive und passive Sicherheit, verschiedenste, wirklich maßgeschneiderte Finanzierungsvarianten und natürlich mehr Fahrspaß. Dazu kommt für den Kunden die Händler-Dienstleistung auf enorm hohem Niveau. Es gibt keine Branche, die sich so sehr um den Kunden bemüht. Also jetzt kaufen, optimal profitieren und der Wirtschaft helfen!
Ihre Prognosen für die mobile Zukunft?
Frischmuth: Die letzten zwei Jahrzehnte haben die Automobilkonzerne Autos produziert, für die wir Händler uns die Kunden suchen mussten. Wir müssen wieder dorthin, wo der Kunde die Autos bestimmt. So gesehen kann diese Krise reinigend sein. Zum Thema Elektroautos sage ich nur soviel: Sie sind als adäquate Alltagsautos noch nicht finanzierbar. Außerdem fehlt dafür jede Infrastruktur.

