TIERE
Kolumne v. Tierarzt Dr. Peter Kollmann
Mandelentzündungen

Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, Tel. 07735/6943
Die Mandeln lassen sich mit Torwächtern vergleichen. Ihre Aufgabe besteht darin, die über Nase oder Mund eingedrungenen Krankheitserreger abzuwehren und unschädlich zu machen. Diese Auseinandersetzung der Mandeln mit den Eindringlingen verläuft nicht spurlos. Es kommt zu einer lebhaften Gewebsreaktion, wobei jene Zellen, die sich an der Abwehr beteiligen, zu wuchern beginnen. Demzufolge schwellen die Mandeln an und röten sich; es entwickelt sich eine Entzündung. Auf diese Weise versucht der Organismus, eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern. So wird begreiflich, weshalb die meisten Infektionskrankheiten der Tiere mit Mandelentzündungen verbunden sind.
Wir müssen zwischen einer akuten und einer chronischen Mandelentzündung unterscheiden. Die akute Entzündung setzt in der Regel mit hohem Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit ein. Durch die Schwellung der Mandeln ergeben sich Schwierigkeiten beim Abschlucken des Futters. Auch häufiges Gähnen, Husten und Atembeschwerden lassen sich beobachten.
Gesunde Mandeln sind, da sie unter einer Schleimhautfalte liegen, nach dem Öffnen des Fanges kaum sichtbar. Im entzündeten Zustand ragen sie mehr oder weniger weit aus ihren Taschen hervor, sind stark gerötet und manchmal mit weißem Schleim bedeckt.
Bei der chronischen Entzündung sind die Krankheitserscheinungen weniger ausgeprägt. Sie äußern sich in mangelnder Fresslust, mitunter auch in Schluckbeschwerden und leichtem Fieber. Als Komplikationen können sich bei einer länger bestehenden Mandelentzündung Gelenkrheumatismus sowie Herz- und Nierenerkrankungen einstellen. Sie werden durch eine ständige Besiedlung der Mandeln mit Bakterien verursacht, die kleine Eiterherde bilden und die von hier aus mit dem Blut in die verschiedenen Organe geschwemmt werden. Damit verfehlen die Mandeln ihren Zweck ; sie werden zu einer gefährlichen Infektionsquelle. In einem solchen Fall wird der Tierarzt die operative Entfernung der Mandeln in Erwägung ziehen.
Bei einer akuten Mandelentzündung besteht die tierärztliche Behandlung unter anderem in der Therapie der Infektionskrankheit. Meist lässt sich hierdurch eine baldige Besserung erzielen.
Die vom Tierbesitzer durchzuführenden Maßnahmen bestehen in feuchtwarmen Umschlägen. Hier kann man sich am einfachsten gekochter Erdäpfel bedienen, die man in einen Beutel oder einen Strumpf füllt und so warm, wie es das Tier verträgt, um den Hals legt (Temperatur überprüfen). Anstelle der Kartoffeln kann man natürlich die im Handel erhältlichen Heilerde und Mehrfach-Gel-Kompressen verwenden. Der vierbeinige Patient wird nach Möglichkeit in einem mäßig warmen Raum untergebracht und nur zum Kot- und Harnabsatz ins Freie geführt. Wichtig ist eine leicht schluckbare, einschleimende Kost. Zum Trinken erhält er lauwarme Getränke, keineswegs kaltes Wasser.
Es ist ratsam, mit dem Auftreten der ersten Krankheitserscheinungen einen Tierarzt aufzusuchen, um größere Schäden zu vermeiden.

