GESUNDHEIT
Viele leiden unnötig, weil die Medizin noch Aufholbedarf hat
Schmerzen als Volkskrankheit – Jeder 5. ist betroffen

Univ.-Prof. Dr. Michael Bach bezieht Körper und Seele in Schmerztherapie mit ein.
Am weitesten verbreitet ist der Rückenschmerz, dann folgen der Kopf- und der Gelenksschmerz. Die Gründe dafür liegen vorwiegend im Bewegungsmangel und im Übergewicht. Doch auch die Schulmedizin ist daran nicht unbeteiligt. „Als ich 1979 mit der Ausbildung begonnen habe, sind wir ohne jede Schmerztherapie ausgekommen,” erklärt Univ.-Prof. Dr. Michael Bach. Der 47-jährige engagiert sich als Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) und als Abteilungsleiter der Psychiatrie im LKH Steyr sowie als Chef der Psychosomatik im Spital Enns für eine bessere schmerzmedizinische Ausbildung, mehr Qualitätssicherung und enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Es hat sich auch schon einiges zum Besseren gewendet. Seit Februar 2007 ist in der Fachärzteausbildung die Schmerztherapie ein Fixpunkt. Die Ärztekammer bietet zudem eine berufsbegleitende Diplomausbildung an. Bach: „Etwa 300 Kollegen nützen bereits diese Ausbildung.”
Einen schweren Mangel gibt es allerdings noch in der Qualitätssicherung. Für Schmerzbehandlungseinrichtungen fehlen verlässliche Strukturvorschriften. „Für alle anderen Fachrichtungen ist diese Art von Gütesiegel im österreichischen Strukturplan für Gesundheit festgeschrieben, auf den Schmerz hat man da aber völlig vergessen,” kritisiert Prof. Bach: „Die ÖSG hat klare Vorschriften ausgearbeitet. Hoffentlich werden sie von der neuen Regierung endlich umgesetzt.”
Bei der Schmerzbehandlung wurden in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte erzielt. Der chronische Schmerz wird als eigene Krankheit anerkannt. Es gibt bessere Medikamente und gute psychosomatische Therapieansätze, die Leib und Seele als Einheit sehen. Spezielle Anlaufstellen für Schmerzpatienten sind in Oberösterreich allerdings dünn gesät. Es gibt eine Schmerzabteilung im Linzer AKH und bei den Barmherzigen Brüdern in Linz, eine Schmerzambulanz in der Landesnervenklinik und das Department für Psychosomatik in Enns.

