20. Mai 2012

TIERE

Kolumne von Dr. Peter Kollmann

Gemeinsam gegen den Schmerz


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen

Heute werden auch in der Veterinärmedizin modernste Schmerzmittel und -therapien eingesetzt. Diese Medikamente und Methoden verfügen über eine hervorragende entzündungshemmende, schmerzstillende und fiebersenkende Wirkung.

Farben kann man gemeinsam sehen. Töne kann man gemeinsam hören. Nur Schmerzen kann man nicht gemeinsam empfinden. Man kann sie aber gemeinsam bekämpfen. Jedes Tier, jede Tierart empfindet Schmerzen unterschiedlich stark. Tatsache ist, dass alle Säugetiere genauso Schmerzen wie wir Menschen fühlen, was aber nicht heißen soll, diese zu vermenschlichen.

Alle Tiere zeigen durch ihre Laut- und Körpersprache, wie sie sich fühlen, sie können Schmerzen aber nicht so deutlich mitteilen. Ob ein Schmerz stark oder schwach ist, empfindet jeder Vierbeiner ganz individuell. Aber auch die Situation macht einen Unterschied: Ist das Gehirn durch intensive Beschäftigung mit angenehmen Dingen abgelenkt, spürt das Tier den Schmerz weniger. Belastungen und Ängste steigern die Schmerzempfindlichkeit.

Beim Hund kommt es zu Verhaltensänderungen: Er sucht vermehrt die Nähe des Besitzers, verändert die Körperhaltung, er jault und jammert, benagt und leckt die Schmerzstelle; es kann zu Unruhe, Lahmheit, Aggression, Appetitverlust kommen, steifer Gang, aufgeschobener Rücken, harter Bauch sind auch typische Anzeichen.

Bei Katzen sieht man ebenfalls diese Verhaltensänderungen, hinzu kommen: ruhiges Allgemeinverhalten, Kauerstellung, Verstecken des schmerzenden Körperteiles, schlechte Körperpflege, Knurren, Grollen, Fauchen und Scheindrohen bei Berührung.

Schmerzmittel setzen genau an dem Punkt an, wo Schmerz zum Schmerz erklärt wird: im Gehirn, am Ort der Verletzung, im Nervengewebe. Der Wirkstoff blockiert die Schmerzzentrale.

In den letzten Jahren hat es bezüglich der Behandlung oder Vermeidung von Schmerzen große Fortschritte gegeben. Darum ist es möglich, eine geeignete, individuelle Schmerzbehandlung bei Tieren zu jedem Zeitpunkt einer Indikation zu gewährleisten.

Ein starker Schmerz verlangt ein stark wirkendes Schmerzmittel. Und manchmal treten bei starken Wirkungen auch unerwünschte Nebenwirkungen auf. Das können unter anderem Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen oder Müdigkeit sein. Meistens klingen sie nach den ersten Tagen aber wieder ab. Auf alle Fälle sollten Sie beim Auftreten von Nebenwirkungen Ihren Tierarzt unverzüglich informieren.

Die ersten Tage bzw. Woche der Schmerzbehandlung sind entscheidend. Denn das ist genau die Zeit, die Ihr Tierarzt braucht, um das Schmerzmittel auf die Schmerzstärke des Tieres einzustellen. Bleiben Sie dran, und lassen Sie sich nicht entmutigen. Gerade in dieser Zeit können auch die Nebenwirkungen auftreten. Jetzt braucht Ihr Tierarzt Ihre Rückmeldung. Nur gemeinsam kann die Idealdosierung herausgefunden werden, um den Schmerz weitestgehend zu beseitigen und die Nebenwirkungen zu vermeiden.


Autor: von Dr. Peter Kollmann