20. Mai 2012

SPORT

Lehrer aus Gunskirchen war 1990 als junger Tourist bei der Blamage dabei

Das Färöer-Debakel: Augenzeuge berichtet


Autor Sven Daubenmerkl

Am 12. September 1990 erlebte Österreichs Fußballteam mit der 0:1-Niederlage gegen die Färöer-Inseln sein größtes Debakel. Am 11. Oktober spielen wir wieder gegen die Kicker von den Schafinseln. Als Warnung bringt das „Landl” den Augenzeugenbericht eines Gunskirchners, der beim Schlamassel vor 18 Jahren im Stadion war.


Sven Daubenmerkl ist gebürtiger Bayer und 43 Jahre alt. Seit 1977 lebt er in Österreich. Daubenmerkl unterrichtet Physik und ist Autor von sechs Büchern. Als junger Tourist wurde er Augenzeuge eines historischen Fußballereignisses - der 0:1 Niederlage Österreichs gegen Färöer im schwedischen Landskrona. Die Erinnerung daran schildert er in einem Beitrag für das Buch „…wenn der Rasen brennt… 100 Jahre Fußball in Oberösterreich” (Edition Geschichte der Heimat).

Färöer : Österreich war das erste Länderspiel, bei dem Sven Daubenmerkl in einem Fußballstadion saß. Er war mit einem Freund auf der Heimreise von einem Skandinavienurlaub, als sie im schwedischen Fernsehen ein Interview mit Toni Polster sahen, in dem der Goalgetter gegen den Fußballzwerg Färöer einen 10:0-Sieg erwartete. Das wollten sich die beiden nicht entgegen lassen. Sie machten per Zug einen Abstecher nach Landskrona - und dort große Augen.

Im Stadion befanden sich 1.265 Zuschauer. „Der österreichischen Nationalmannschaft stand ein Haufen von fünf Studenten, zwei Lehrlingen, zwei Arbeitern und je ein Kraftfahrer, Fischverkäufer, Postbote, Maschinenschlosser, Holzhändler, Bäcker, Bankangestellter, Abiturient, Elektriker, Tischler, Leiter eines Kühlhauses sowie ein Fußballprofi gegenüber,” schreibt Daubenmerkl in seinem Essay. „Auf meine Vermutung, ob es sich um eine Art Trainingsspiel handle, erwiderte mein Freund, es gehe um die Teilnahme an der Europameisterschaft. Zudem bestritt die gegenerische Mannschaft das allererste Länderspiel unter Wettkampfbedingungen. Ich bereute längst, meine Zustimmung zum Besuch dieser völlig absurden Vorstellung gegeben zu haben, als der Anpfiff ertönte…”

„…Der Gegner war kein bisschen gut, aber das fiel nicht weiter auf, denn die Österreicher spielten grottenschlecht… Wir waren so ziemlich die einzigen Fans auf weiter Flur, die für Rotweißrot schrien, und selbst das gewöhnten wir uns angesichts des immer fader dahinplätschernden Spiels rasch ab…” „…Was ich nicht für möglich gehalten hatte, trat in der zweiten Halbzeit ein: Das Spiel der Österreicher wurde noch schlechter. Längst unterhielten sich mein Freund und ich auf Englisch, um nur ja nicht als Alpenbewohner erkannt zu werden…”

Dann passierte das „Wunder von Landskrona”: Torkil Nielsen schoss das 1:0. „Wie betäubt vernahmen wir eine halbe Stunde später den Schlusspfiff,” erinnert sich Daubenmerkl. „Im selbenMoment brach auf den Inseln der Ausnahmezustand los…” „Es ist nicht einfach für Österreich zu sein.Aber was ist schon einfach,” heißt es am Ende des Leidensberichtes von Sven Daubenmerkl.

Das Buch (oben) enthält mehrere Beiträge, die sich mit dem Leid der Fußballfans beschäftigen, beispielsweise von Peter Huemer („Sand im LASK-Getriebe”) und Marius Huszar („Die rote Karte”).