20. Mai 2012

REPORTAGE

Das „Landl” auf dem höchsten Berg Europas


16. Juli, 13.45 Uhr: Oxana streckt eine Faust in die Höhe und stößt einen spitzen Freudenschrei aus. Die 26-jährige Bergführerin aus Moskau steht zum 18. Mal auf dem Gipfel des 5.642 m hohen Elbrus. In ihrem Schlepptau strahlen wir zu viert mit der jungen Bergführerin um die Wette. „Dobro poshalowat!” „Herzlich willkommen” auf dem Dach Europas! Hinter uns liegen mehr als acht Stunden Aufstieg, unter uns ragen einige Viertausender durch die Wolken, über uns leuchtet blauer Himmel. Schöner kann ein Gipfelerlebnis nicht sein. Doch es war schwer erarbeitet.

Europas höchster Berg wächst im Kaukasus am Ende des 120 km langen, wildromantischen Baksantals in der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien an der Grenze zu Georgien in den Himmel. Etliche Bergsteiger aus dem Landl haben ihn bereits erklommen, jetzt hat in auch eine „Hallo Landl” Expedition „gepackt”.

Die aktive Höhenanpassung beginnt mit einer Wanderung auf den 3.461 m hohen Tscheget. Am nächsten Tag geht’s auf den Elbrus. Seilbahn und Sessellift befördern uns auf 3.800 m. Hier befinden sich auf Großglockner-Höhe die Garabachi-Biwaktonnen - quasi unser Basislager. Von hier aufwärts gibt es nur noch Eis und Schnee. Wir unternehmen zwei Halbtagestouren bis auf 4.100 m und 4.700 m, um den Körper weiter an die Höhe zu gewöhnen. Schlaf finden wir in den ersten beiden Nächten im Biwak-Container kaum. Zu dünn ist die Luft, zu hoch der Puls.

Am dritten Tag verlassen wir um 5 Uhr das Basislager. Eine Pistenraupe bringt uns auf 4.550 m. Im Morgengrauen stapfen wir mit Steigeisen dem Sonnenaufgang entgegen (Bild). Vom gefürchteten und häufigen Elbrus-Schlechtwetter keine Spur. Den ganzen Tag begleiten uns Windstille und wolkenloser Himmel. Die Sonneneinstrahlung ist in unserem Fall ein größerer Gegner als der Berg. In der Affenhitze „verglühen” die Getränkevorräte zu schnell. Ich genehmige mir am Gipfel den letzten Schluck, dann erfrischt nur noch Schnee Lippen, Stirn und Nacken. Kurios: Das schöne Wetter bedingt, dass drei Mitglieder unserer Gruppe knapp unterhalb des Gipfels umkehren müssen. Ihre Batterien sind leer wie die Trinkflaschen. Ein Kamerad erreicht mit 30-minütiger Verspätung das Ziel.

Für den kraftraubenden Abstieg im weichen Schnee benötigen wir vier Stunden. Dann schlafen wir erstmals in dieser Höhe tief und lang. Ganz ohne Wodka.