20. Mai 2012

GESUNDHEIT

Illegaler Pharmahandel übers Internet erzielt Riesenprofite – Experten warnen die Käufer vor den Gesundheitsgefahren

„Riskantes Spiel mit dem Tod!”


Landeskriminalamtsleiter Dr. Rudolf Keplinger jagt die Händler.

Anabolika, Epo, Testosteron, Wachstumshormone, Appetitzügler, Aufputschmittel, Cremen zur Penisverlängerung, Pillen zur Steigerung der Sexualkraft oder zur Erhöhung der Libido - alles kein Problem. Ein Klick ins Internet, und auch der Laie findet schnell einen Händler, der das gewünschte Präparat liefert. Für viel Geld und ohne jede Garantie.

Dieses Risiko schreckt die Abnehmer allerdings nicht. „Es gibt einen irren Schwarzmarkt, auf dem die Käufer ihre Gesundheit riskieren,” warnt Mag. Thomas Veitschegger als Präsident der oberösterreichischen Apothekerkammer. Wer im Internet bestellt, weiß nie, was die Präparate wirklich enthalten. Es hat auch schon Tote gegeben. „In Deutschland beispielsweise hatte eine Frau via Internet gekaufte Schlankheitspillen eingenommen, kurz darauf ist sie verstorben,” weiß Veitschegger.

Im Pharmaverkauf über das weltweite Netz werden Unsummen umgesetzt. Veitschegger: „Es gibt viel höhere Spannen als im normalen Medikamentenhandel.” Die Verdienstmöglichkeiten sind gigantisch. Es ist weit mehr Profit zu erzielen als mit klassischen Drogen. Ein Kilo Pseudo-Viagra kostet laut Deutschen Apothekerverbänden im Schnitt 90.000 Euro, dagegen sind Ecstasy (1.300 Euro) und Marihuana (8.000 Euro) Billigware. Selbst Heroin (50.000 Euro) kostet deutlich weniger.

Während in Deutschland der Internet-Handel mit Medikamenten seit 2004 gesetzlich erlaubt ist, gibt es dafür in unserem Land ein klares Verbot. „In Österreich steht man auf dem Standpunkt, dass Medikamente eine Ware besonderer Art sind. Daher wurde ihr Verkauf über das Internet nicht freigegeben. Auch in Deutschland rudert man jetzt schon zurück.”

In Oberösterreich wurden erst kürzlich nach einem Hinweis aus Deggendorf in Bayern zwei Männer verhaftet, die einen schwunghaften Anabolika-Handel aufgezogen hatten. 40.000 illegale Präparate im Wert von 50.000 Euro wurden bei ihnen sichergestellt. Die Polizei wird nur aktiv, wenn es konkrete Anhaltspunkte gibt. „Wenn sich jemand privat solche Präparate im Ausland bestellt, ist das nicht unser Bereich,” sagt Landeskriminalamtsleiter Dr. Rudolf Keplinger, „denn bestraft werden kann nur der Händler. Der Konsum von Dopingmitteln ist in Österreich nicht strafbar.”