20. Mai 2012

TIERE

von Tierarzt Dr. Peter Kollmann

Wenn der Hund an einer „Autokrankheit“ leidet


Dr. Peter Kollmann Gaspoltshofen, Tel. 07735/6943

Vielen Hunden bekommt das Autofahren nicht. Schon beim Einsteigen gebärden sie sich wie wild, oder sie werden nach kurzer Fahrt unruhig, zittern, speicheln und erbrechen schließlich. Es helfen weder beruhigende noch ermahnende Worte. Es handelt sich dabei nicht um eine Erkrankung, sondern um einen Erregungszustand. Wir wissen aus eigener Erfahrung, daß sich Aufregungen gern auf den Magen legen und dann unliebsamerweise zu einem beschleunigtem Stuhlgang verhelfen. Ähnlich verhält es sich beim Hund, nur daß sich bei ihm Erregungen häufiger im Erbrechen äußern, wie er ja überhaupt leichter als der Mensch erbricht. Ein solcher Grund zur Aufregung ist ohne Zweifel für ihn eine Fahrt mit dem Auto, vor allem wenn er damit in seiner Erinnerung ein eindrucksvolles Erlebnis verbindet. Dazu gehört beispielsweise die Fahrt zum Wochenendhaus und ein Tag ungehemmten Tollens im Grünen. Es ist daher zweckmäßig, die Gedankenverbindung „Autofahren - Fahrt ins Grüne" nicht von vornherein aufkommen zu lassen. Man wird seinen Vierbeiner durch wiederholte kurze Fahrten allmählich an diesen Zustand zu gewöhnen versuchen, so daß er im Autofahren nichts Außergewöhnliches erblickt, ehe man größere Fahrten mit ihm unternimmt. Außerdem wird man ihm natürlich nicht gerade unmittelbar vor Antritt der Fahrt zu fressen geben. Beabsichtigt man eine längere Reise, so ist es ratsam, die Hundedecke mitzunehmen. Von ihr geht eine gewisse psychologische Wirkung aus, da sie den Hund an sein Zuhause erinnert. Sie ist ihm vertraut und beruhigt ihn, wenn man ihn allein im Wagen zurückläßt.

In diesem Zusammenhang ist der Hinweis wichtig, daß man beim Abstellen des Autos, in dem wir unseren Vierbeiner als Wächter zurücklassen, genau auf den Sonnenstand achtet. Auch wenn wir es an schattiger Stelle parken, kann sich die Sonne in den folgenden Stunden so drehen, daß das Fahrzeug schließlich doch intensiv den Sonnenstrahlen aus gesetzt ist. Meist bedarf es nur einer kurzen Zeitspanne, um im Wageninneren eine Bruthitze entstehen zu lassen, vor allem dann, wenn gleichzeitig alle Fenster geschlossen sind. Ein Hitzschlag kann die lebensgefährliche Folge sein. Gefährdet sind vor allem kurzköpfige Hunderassen, wie Pekinesen, Möpse oder Boxer.

Geht es in erster Linie darum, das Erbrechen zu verhüten, so gibt man Medikamente. Unterstützend wirkt Vitamin B6. Gelangt man bei sehr aufgeregten Tieren mit diesen Mitteln nicht zum Ziel, so müssen stärker wirksame Beruhigungsmittel verabreicht werden, die jedoch meist rezeptpflichtig sind und daher vom Tierarzt verordnet werden müssen.