20. Mai 2012

TIERE

von Tierarzt Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen

Erste Hilfe in Notfällen


Dr. Peter Kollmann, Tel. 07735/6943

Notfälle treffen uns meist völlig überraschend. Als erste Hilfe gilt für alle Formen von Notfällen, dass die wichtigsten Lebensfunktionen aufrechterhalten werden. Hierbei sollten wir das aus dem Humanbereich bekannte A-B-C-D Schema einhalten.

A = Atemwege: Atemwege freimachen, Fremdkörper, Erbrochenes entfernen.

B = Beatmen: Atmungsunterstützende Maßnahmen, wie Druck auf den Brustkorb oder direkte Beatmung über die Nase.

C = Circulation (Kreislauf): Stillen von Blutungen durch Druckverbände.

D = Druggs (Medikamente): Medikamente sollten nur vom Tierarzt verabreicht werden.

Für den Tierhalter ist es oft schwer, die Situation richtig einzuschätzen. Teilweise werden Veränderungen überbewertet, z. B. eine Zecke die unbedingt noch in der Nacht entfernt werden soll. Dagegen wird der Versuch des Hundes, sich zu erbrechen und das Aufblähen des Magens als weniger dramatisch eingestuft, so dass eine vorhandene Magendrehung nicht rechtzeitig behandelt werden kann. Diese Hunde sind nach mehr als 4 - 5 Stunden kaum noch zu retten.

Bei Unfällen ist die Lage meist klar zu erkennen. Das Tier liegt auf der Straße und sollte als erstes so gesichert werden, dass weder der Helfer noch das Tier vom Verkehr gefährdet werden. Als erstes sollte überprüft werden, ob das Tier noch atmet. Ist man sich unsicher, so kann eine Brille oder ein Spiegel vor die Nase gehalten werden. Beschlagen die Gläser, dann atmet das Tier noch selbständig. Ist keine eigenständige Atmung zu erkennen, muss die Zunge hervorgezogen und Fremdkörper oder Erbrochenes aus der Maulhöhle entfernt werden. Der Brustkorb sollte nun kurz hintereinander vorsichtig mit den Händen zusammengedrückt werden, um die Selbstatmung anzuregen. Gelingt das nicht, muss direkt beatmet werden. Hierbei ist zu beachten, dass sich die helfende Person schützt, indem sie den Fang mit einem Band, Krawatte oder Gürtel zubindet, um nicht eventuell gebissen zu werden. Ist eine Sauerstofflasche vorhanden, kann direkt Sauerstoff über die Nase zugeführt werden.

Wunden sollen mit Verbandsmaterial oder sauberen Tüchern abgedeckt werden. Sind die Wunden stark verschmutzt, ist zunächst Wasser das beste Reinigungsmittel. Ein guter Druckverband ersetzt das Abbinden an den Extremitäten. Bei den Verbänden müssen die unteren Bereiche der Gliedmaßen mit in den Verband einbezogen werden, dass es keine Stauungen gibt.

Bei Knochenbrüchen an den Extremitäten sollten die betroffenen Beine ruhig gestellt werden. Als Schiene kann eine gefaltete Zeitschrift dienen, die mit einem Verband oder Tuch an die betroffene Stelle angebunden wird.

Besteht der Verdacht auf eine Verletzung der Wirbelsäule muss das Tier möglichst auf einer festen Unterlage transportiert werden. Zur Fixierung eignet sich hier einfaches Klebeband.

Bei Verbrennungen hilft das massive Abduschen der verbrannten Körperteile mit kaltem Wasser. Puder oder Salben sollten nicht aufgebracht werden.