20. Mai 2012

SPORT

Abseits der EM 2008 - Teil 5


Vor 80 Jahren warf Verbandspräsident Hugo Meisl den Austria-Stürmer Matthias Sindelar aus dem Team, weil der quirlige Trickser bei einem Match auf Schneeboden gegen eine süddeutsche Auswahl durch übermäßige Dribblings für viele Ballverluste verantwortlich war und danach trotzig meinte: „Wir hätten noch mehr scheiberln müss’n!”

Drei Jahre und 14 wenig erfolgreiche Spiele später gab Hugo Meisl dem steigenden öffentlichen Druck nach. Mit den Worten „Da habt’s euer Schmiranski-Team” warf er in einem Wiener Café den Sportjournalisten einen Zettel mit der von ihnen geforderten Teamaufstellung hin: Sindelar kehrte als Mittelstürmer in die Elf zurück.

Das erste Spiel gewann die neu gebildete Nationalmannschaft am 16. Mai 1931 auf der Hohen Warte in Wien gegen die bis dahin auf dem europäischen Festland noch ungeschlagenen Schotten mit 5:0. Dieser Sieg war der Beginn der erfolgreichsten Serie in der Geschichte der österreichischen Nationalmannschaft. Das Wunderteam „zerlegte” bei seinem Siegeslauf innerhalb von zwei Jahren lauter Mannschaften, die auch heuer für die EM qualifiziert und daher mögliche Gegner sind.

Deutschland wurde in Berlin 6:0 und in Wien 5:0 (3 Sindelar-Tore) vom Rasen gekantert, die Schweiz 8:1 vorgeführt, Frankreich 4:0 gedemütigt, Italien 2:1, Schweden 4:3 geschlagen. Zum Drüberstreuen gab’s noch ein 6:1 gegen Belgien und ein 8:2 gegen Ungarn (Sindelar schoss drei Tore und bereitete alle fünf weiteren Treffer vor).

Kann der gebürtige Kroate Vastic im Juni in der Rolle des gebürtigen Tschechen Sindelar Österreichs Team nach einer jahrelangen Durststrecke zu einem neuen Höhenflug führen? Es wäre wieder ein Wunder. Viel realistischer ist, dass wir bei der Heim-EM fußballerisch unser blaues Wunder erleben.

Zur Erinnerung: Begonnen hat die Wunderteam-Ära anno dazumal mit Rudi Hiden im Tor, in der Abwehr spielten Schramseis und Blum, im Mittelfeld Smistik, Braun und Gall und im Angriff Zischek, Gschweidl, Sindelar, Schall und Vogl.