LANDLER/IN DES MONATS
Alois Quirchmayer ist seit 60 Jahren Marktfahrer

„Ich kann doch nicht immer daheim sitzen und beim Fenster hinaus schauen!” Deshalb schwingt sich Alois Quirchmayer mindestens dreimal im Monat um 3.30 Uhr aus den Federn. 30 bis 45 Minuten später startet er seinen Klein-LKW samt Anhänger. Das Gespann ist mit hunderten Werkzeugartikeln, Haus- und Küchengärten sowie Kunstschmiede- und Schlosserarbeiten aus der familieneigenen Werkstätte beladen. Diese Waren bietet er auf Märkten an. Am 26. April war Quirchmayer am Rossmarkt in Pram, am 4. Mai, dem Florianitag, baute er sein fahrendes Geschäft vor dem Stift in St. Florian bei Linz auf, am 12. Mai gastiert er am Kirtag in Ohlsdorf.
Alois Quirchmayer wird im Juni 83 Jahre alt. Seit 60 Jahren ist der verheiratete Vater dreier Kinder als Marktfahrer aktiv. Eine lebende Legende unter Oberösterreichs Fieranten. Ans Aufhören denkt der eiserne Alois noch immer nicht, denn „das Geschäft geht nicht schlecht.”
So ist es! Oberösterreichs Märkte blühen. „Im Vergleich zu früher gibt es jetzt weit mehr Waren und eine viel größere Auswahl,” weiß der Hofkirchner Marktprofi. Eines ist in dieser Branche aber immer gleich geblieben. Man muss einen Schmäh haben und darf nicht prüde sein. „Oft ist es schon recht a Gaudi,” lacht der 82-jährige. „Man wird aber auch manchmal blöd angeredet, da darf man nicht gleich beleidigt sein.”
So unterhaltsam und abwechslungsreich ein Marktfahrerleben sein kann, so mühselig ist es auch. 16-Stunden-Tage sind keine Seltenheit. Das wissen die Quirchmayers am besten. Ehefrau Pauline (83) fuhr auch 50 Jahre lang auf Märkte und rackerte in der eigenen Landwirtschaft, Tochter Pauline (52) begleitet regelmäßig den Papa auf den Markttouren, und Sohn Johann (45), der das Quirchmayer-Hammerwerk und die Werkstätte führt, wandelt ebenfalls auf den Spuren des Vaters. Wie lange der noch weitermacht? „Bis er nimmer kann,” kennt Gattin Pauline ihren Alois nur zu gut. Märkte sind sein Leben.

