20. Mai 2012

AKTUELLES

St. Agathas Ortschef spielt Bauernführer

Bürgermeister als Stefan Fadinger

Franz Weissenböck aus St. Agatha hat viele Gesichter: Als junger Landwirt mimte er auf einer Laienbühne einen Bürgermeister. Mittlerweile ist der 53-jährige seit 19 Jahren tatsächlich Bürgermeister von St. Agatha. Jetzt ist wieder ein Rollentausch angesagt. Der Ex-Autorennfahrer spielt den Bauernführer Stefan Fadinger.


Szenenbild aus „So wolle Gott uns gnädig sein”. Das von Carl Martin Eckmayr, dem Vater des ehemaligen Landeshauptmann-Stellvertreters Karl Eckmayr, geschriebene Stück in vier Bildern ist 1976 uraufgeführt worden. Nun soll es alle zwei bis vier Jahre Besucher nach St. Agatha locken. 2010 steht das Bauernkriegsspiel im Stefan Fadinger Hof wieder am Programm.

„Es muaß sein!” Mit diesen Worten scharte vor 380 Jahren der Bauer Stefan Fadinger aus St. Agatha als Oberhauptmann des Traun- und Hausruckviertels seine Standeskollegen hinter sich. Es kam zum bewaffneten Aufstand gegen den bayerischen Statthalter. Die religiösen, wirtschaftlichen und politischen Umstände waren für die Bauern unerträglich geworden.

Die Bauernkriege begannen im Mai 1626. Der 41-jährige Stefan Fadinger und sein Bauernheer besetzten in kurzer Zeit Eferding, Wels, Kremsmünster und Steyr. Bei der Belagerung von Linz wurde der Bauernführer durch Schüsse schwer verwundet. Am 5. Juli 1626 erlag der „Rebell” seinen Verletzungen.

Die Laienspielgruppe St. Agatha bringt im Mai im barocken Stefan Fadinger Hof, der unweit des ehemaligen Anwesens des Bauernführers in St. Agatha liegt, das Bauernkriegsspiel „So wolle Gott uns gnädig sein” zur Aufführung. „Seit Jänner proben wir jeden Montag,” erzählt Bürgermeister Franz Weissenböck. 26 Laiendarsteller aus St. Agatha stehen auf der Bühne, 17 von ihnen sind erstmals dabei. Weissenböck ist einer davon. Er spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern hat auch den Text für die Ansagerin geschrieben, an dem dann noch Spielleiter Walter Christl gefeilt hat. Als Fadinger hat der Bürgermeister drei große Prologe zu sprechen. „Die lasse ich mir ständig durch den Kopf gehen, wenn ich sonst nichts zu tun habe. Auch beim Autofahren.”

Franz Weissenböck („Ich bin ein Überlebenskünstler”) gehörte schon von 1977 bis 1980 einer Theatergruppe der Landjugend Waizenkirchen an, wo er unter anderem einen Bürgermeister zum Besten gab. „1981 habe ich geheiratet, da war es dann mit dem Lustspiel vorbei,” lacht der Obmann des Bezirksabfallverbandes, der eine Zeit lang auch Autorennen bestritt.

Zur Schauspielergruppe des Bauernkriegsspiels gehören auch drei Frauen. Herta Eder spielt Stefan Fadingers Witwe, Franziska Haider die Witwe von Fadingers Schwager und Mitstreiter Christoph Zeller und Eva Mühlböck ist dreifach gefordert: als Co-Regisseurin, Souffleuse und Ansagerin. Weissenböck: „Wir alle bemühen uns sehr, aber wir sind natürlich nicht das Ensemble des Landestheaters.”

Die Premiere im Stefan Fadinger Hof findet am Freitag, 16. Mai (20.30 Uhr), statt. Bis 24. Mai folgen vier weitere Aufführungen. An den Spieltagen gibt es auch einen historischen Markt. Infos: 07277/27219