20. Mai 2012

SPORT

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Abseits der EM 2008

Im Vormonat haben wir Sie in dieser Serie erstmals in den Amazonas-Dschungel von Macapà entführt. Das ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amapà. Einzigartig dort: Der Äquator markiert die Mittellinie des Fußballstadions. Es gibt aber auch Parallelen zu österreichischen Stadien, etwa zum Linzer Gugl-Oval - und das sind Bausünden.


Als das exakt am Breitengrad Null liegende Zerao-Stadion („Die große Null”) von Macapà 1990 mit einem Spiel ehemaliger brasilianischer Fußballgrößen wie Zico und Paulo César eröffnet wurde, fragte der Schiedsrichter erstmals die Spieler: „Auf welcher Hemisphäre möchten Sie beginnen?”

Bevor das Stadion gebaut wurde, gab es hier nur eine Lichtung im Regenwald und eine 50 Meter lange Äquatorlinie aus Beton. Das Leben am Amazonas ist hart. Ein Kampf mit Hitze, Regen und Stürmen. „Beim Bau des Stadions wurden offensichtlich diese klimatischen Bedingungen nicht bedacht,” schreibt der englische Journalist und Brasilien-Korrespondent Alex Bellos in seinem Buch „Futebol - Die brasilianische Kunst des Lebens” (Fischer Taschenbuch). Die Folge: Kaum war das Stadion fertig, fegte ein Sturm dessen Dach hinweg. Stehen blieben nur die acht Stützpfeiler, die noch neute nackt in die Luft ragen.

Das war aber nicht das einzige Missgeschick. Nicht weniger peinlich: Die Flutlichtmasten stehen VOR der Tribüne und damit immer im Blickfeld der Zuschauer. Das kennen die älteren oberösterreichischen Fußballfans vom Linzer Gugl-Stadion. Dort hatte man - lange bevor die Baumeister in Macapà ans Werk gingen - die Masten für das erste Flutlicht auch so positioniert, dass tausende Fans ihre Hälse verrenken mussten, um mehr zu sehen als nur Stahlsäulen.

In Amapà gibt es noch ein Problem, das an den heimischen Fußball erinnert: Alle zwölf (!) Profiklubs des nur 445.000 Einwohner zählenden Bundesstaates sind entweder pleite oder stehen kurz davor, obwohl die meisten professionellen Kicker nur den Mindestlohn von umgerechnet 50 Euro im Monat erhalten.

Für dieses Geld würde kaum ein Spieler der untersten österreichischen Amateurklassen auch nur einen einzigen Schritt auf den Rasen setzen. Ganz zu schweigen von den hochbezahlten Ballesterern in unseren Profi-Ligen. Ein Schuss Amapà würde unserem Fußball sehr gut tun: Bescheidenere Gagen wären eine brasilianische Note, die er dringend bräuchte.