20. Mai 2012

TIERE

Kolumne von Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen

Augenverletzungen beim Hund


Dr. Peter Kollmann, Tel. 07735/6943

Beim Streifen durch Gestrüpp und dichtes Unterholz oder bei heftigen Auseinandersetzungen mit einer Katze sind die Augen leicht Verletzungen ausgesetzt. Auch Fremdkörper können ins Auge geraten und zu einer Verletzung führen. Im Anschluss an eine solche Schädigung beginnt das Auge heftig zu tränen. Kleine Fremdkörper werden auf diese Weise, unterstützt durch den Lidschlag, vielfach von selbst aus dem Auge geschwemmt.

Ist die Hornhaut verletzt oder bleibt der Fremdkörper liegen, veranlassen Schmerzen oder Druckgefühl den Hund, fortwährend mit den Vorderpfoten an den Augen zu reiben oder mit dem Kopf auf dem Boden entlang zu fahren. Die Lider werden krampfhaft geschlossen, und es besteht Lichtscheu.

Eine Untersuchung des Auges lässt sich der Hund nur widerstrebend gefallen. Es ist daher eine zweite Person erforderlich, die den Kopf gut festhält. Durch Spreizen der Lider sowie durch Abziehen des oberen und unteren Augenlides überzeugt man sich davon, ob sich ein Fremdkörper im Auge befindet. Meist setzen sie sich im äußeren oder inneren Lidwinkel fest und lassen sich mit dem Zipfel eines sauberen Taschentuches behutsam herauswischen.

Gelingt dies nicht, so lässt sich der Fremdkörper mitunter dadurch entfernen, indem man den rechten Zeigefinger mit Speiseöl benetzt und damit vorsichtig über die Hornhaut streicht. Mit der linken Hand hält man die Augenlider offen. Führt auch das nicht zum Ziel, so wird man eine Augenspülung mit einer Gummiballspritze und abgekochtem Wasser vornehmen und anschließend von neuem die Entfernung versuchen.

Spelzen haben die unangenehme Eigenschaft, sich durch die an ihnen befindlichen Widerhaken in die Lidbindehaut einzubohren. Sie führen in kurzer Zeit zu einer Lidschwellung und zur Hornhautentzündung. Ihre Beseitigung ist meist nur durch eine örtliche Betäubung oder unter Allgemeinnarkose möglich und bleibt daher dem Tierarzt vorbehalten.

Bei Verletzungen der Hornhaut des Auges ist immer damit zu rechnen, dass Schmutzkeime in die Wunde gelangt sind, die zu einer Vereiterung des Augapfels Anlass geben können. Sie gehören daher möglichst schnell in tierärztliche Behandlung. Durch Einträufeln von Penicillin-Augenöl und ähnlichen Medikamenten lässt sich der Infektion begegnen.

Da man beim Hund nicht wie beim Menschen eine Augenklappe anlegen kann, ist der Tierarzt bei manchen Hornhautverletzungen genötigt, zum Schutze des Auges eine so genannte Bindehautschürze vorzunehmen. Zu diesem Zweck wird etwas Lidbindehaut abpräpariert, über das Auge hinweggezogen und auf der Gegenseite vernäht. Durch diesen ungefährlichen Eingriff werden weitere Reize vom Auge ferngehalten, bis die Verletzung abgeheilt ist.

Die Hauptaufgabe des Hundebesitzers besteht nun darin, das Kratzen am Auge zu verhindern. Dabei leistet der Halskragen gute Dienste. Bei jeder Verletzung des Auges ist wegen den damit verbundenen Reizungen die Unterbringung des Tieres in einem abgedunkelten Raum ratsam.