19. Mai 2012

SPORT

Abseits der EM 2008


Schildbürgerlich originell geht man in Österreich gern an die Errichtung oder Sanierung von Fußballstadien heran. Das zeigt sich in Linz und bei den EM-Stadien. Wirklich originell gebaut wurde hingegen ein Stadion in Brasilien. Dort gibt es den einzigen Fußballplatz der Welt, den der Äquator in zwei Teile teilt.


Die altehrwürdige Bruchbude, pardon, Arena, im Wiener Prater mit dem Namen Ernst Happel-Stadion hat im November des Vorjahres die Engländer bei ihrem freundschaftlichen 1:0-Sieg gegen unser Team („unnötigstes Länderspiel der Geschichte”, „Stadion nicht EM-reif” lästerte die englische Journaille) so erschreckt, dass sie gleich die EM-Qualifikation sausen und Russland den Vortritt ließen.

Merkwürdiges ereignete sich auch rund um die anderen österreichischen EM-Sportstätten. In Innsbruck-Tivoli und in Salzburg-Wals-Siezenheim hat man die nur wenige Jahre alten Stadien um viele Millionen Euro auf 30.000 Publikumsplätze aufgestockt. Ähnlich teuer wird ihr geplanter Rückbau nach der EM. Zum Glück ist man in Salzburg in letzter Minute draufgekommen, dass es für den größeren Zuschauerandrang keine geeignete Zufahrt gibt. So kann man gegen den Protest der Anrainer nun noch schnell eine neue Straßenschneise ins Walser Grün asphaltieren.

In Klagenfurt wurde das Wörtherseestadion im Sog eines Vergabeskandals aus dem Boden gestampft. Ein teures Schmuckstück, das ab Herbst höchstwahrscheinlich ungenützt Kärntens Landschaft verschönert. Schließlich steht die Heimmannschaft Austria Kärnten vor dem Abstieg aus der obersten Spielklasse und vor der finanziellen Pleite. Man darf auf eine originelle Rettungsaktion von Landeshäuptling Jörg Haider gespannt sein. Vielleicht lässt er das Wörtherseestadion auf Minimundus-Größe zusammenstutzen.

Wer wirklich ein einzigartiges Stadion sehen will, muss in den amazonischen Regenwald nach Brasilien reisen. Im Dschungel von Macapà, der Hauptstadt des Bundesstaates Amapà, wurde 1990 das Zerao-Stadio (zu deutsch „Die Große Null”) errichtet. Es steht genau am Null-Breitengrad. Der Äquator markiert die Mittellinie des Spielfeldes. Nach dem Münzwurf fragt der Schiedsrichter die Mannschaftskapitäne: „Auf welcher Hemisphäre möchten Sie beginnen?”

Zwar gibt es auch im Zerao erhebliche Baumängel, allerdings könnte sich Österreich in Amapà auch einiges abschauen. Mehr darüber lesen Sie im Teil 4 dieser Serie.