19. Mai 2012

FREIZEIT

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Viele Frühlingsboten sind geschützt

Von den warmen Temperaturen angestachelt, hat die Natur frühzeitig begonnen, ihr Frühjahrskleid überzustreifen. Jetzt kommt wieder die Zeit, wo man sich seinen Blumenschmuck von Wald und Wiese holt. Doch Vorsicht: 371 heimische Pflanzenarten sind geschützt, auch einige Frühlingsboten sind darunter.


Trotz manch bedenklicher Entwicklung: Oberösterreich ist ein Naturparadies. Rund sieben Prozent der Landesfläche stehen unter Naturschutz, die mehr als 100 Naturschutzgebiete umfassen über 800 km2. Etwa 1.800 verschiedene Farn- und Blütenpflanzen wachsen zwischen Böhmerwald und Dachstein, zwischen Inn und Enns.

Doch dieser natürliche Reichtum trügt. Veränderte Lebensgewohnheiten, Rationalisierungen in der Landwirtschaft, klimatische Einflüsse und ausgedehnte Siedlungstätigkeit setzen der Artenvielfalt erheblich zu. Viele Pflanzen, die in Oberösterreich vor gar nicht langer Zeit noch heimisch waren, sind bereits von der Bildfläche verschwunden, hunderte sind vom Aussterben bedroht.

Wie ernst die Situation ist, zeigt ein Blick in die von der Naturschutzabteilung des Landes zusammengestellte Broschüre (re.) „Geschützte Pflanzen in Oberösterreich”. Die Botanikexperten Michael Strauch und Siegfried Kapl führen darin 371 Blütenpflanzen, Farne, Flechten, Pilze und Moose an, die vollkommen oder teilweise geschützt sind.

Etliche dieser Wildpflanzen gehören zu den Frühblühern, die uns als Frühlingsboten begegnen, wenn uns die steigenden Temperaturen raus in Wiesen und Wälder, zu den Seen und auf die Berge ziehen. Teilweise geschützt sind beispielsweise das Schneeglöckchen, die Frühlingsknotenblume und das Maiglöckchen. Das bedeutet, dass man von diesen Pflanzen nur einen Handstrauß, also was zwischen Daumen und Zeigefinger Platz hat, oder einzelne Zweige, Polster oder Lager mitnehmen darf. Das sollte man auch bei den zu Ostern so beliebten Palmkätzchen (Salweide) bedenken. Nicht gleich halbe Weiden abreissen, sondern sich mit einigen Zweigen begnügen!

Mitglieder von 58 Pflanzenfamilien, zwei Flechten- und sieben Pilzarten, darunter der Riesen- und der Stielbovist, sind in Oberösterreich vollkommen geschützt. Zu diesen Familien gehören unter anderen Orchideen-, Enzian-, Primel-, Seerosen- und Veilchengewächse. Von der Gemeinen Kuhschelle gibt es in Oberösterreich keine 50 Fundorte mehr.

Vollkommen geschützte Pflanzen und Pilze dürfen weder vom Standort entfernt noch beschädigt oder vernichtet werden. Ihr Verkauf oder Erwerb ist ebenfalls verboten. Das gilt für die Wurzeln ebenso wie für Zweige, Blätter, Blüten und Früchte.

Wer sich für die bedrohte Natur interessiert, kann die Broschüre mit den geschützen Pflanzen gratis beim Landesnaturschutz, 4020 Linz, Bahnhofplatz 1, beziehen. Bestellungen: 0732/7720-11871.