TIERE
Kolumne von Dr. Peter Kollmann
„Feiertagskrankheit” des Hundes

Dr. Peter Kollmann Gaspoltshofen, Tel. 07735/6943
Hunde leiden nicht selten unter Verstopfung. Die Gründe dafür können recht unterschiedlich sein. Das Leiden kann mit einer anderen Erkrankung in Zusammenhang stehen, beispielsweise mit einer Vergrößerung der Vorsteherdrüse, einem Rückenmarksleiden (Dackellähme) oder einem Eingeweidebruch. Oft ist die Ursache im Darm selbst zu suchen, wie bei Verwachsungen, Geschwülsten, Darmerweiterungen oder Darmträgheit, die man vorwiegend bei älteren, phlegmatischen und dickleibigen Hunden beobachtet. Derartige Verstopfungen sind durch dauernde Hartleibigkeit gekennzeichnet.
Die gebräuchlichen Abführmittel sind entweder wirkungslos, oder es stellt sich nach einer vorübergehenden Besserung der alte Zustand wieder ein. Es ist daher nicht ratsam, chronische Verdauungsbeschwerden selbständig behandeln zu wollen. Sie erfordern eine gründliche Untersuchung durch den Tierarzt, ehe eine erfolgversprechende Behandlung eingeleitet werden kann.
In den meisten Fällen werden jedoch Verstopfungen durch eine unzweckmäßige oder einseitige Ernährung hervorgerufen. Besonders häufig kommt es zu Verstopfungen nach der Aufnahme zu großer Knochenmengen, vor allem von Kalbs- und Hammelknochen. In erster Linie zu Festtagen glauben viele Hundebesitzer, ihrem Vierbeiner mit einer beachtlichen Knochenportion etwas besonders Gutes zu erweisen. Verstopfungen sind daher nicht selten „Feiertagskrankheiten” des Hundes.
Natürlich ist gegen eine Verabreichung von Knochen nichts einzuwenden, wenn sie als gelegentliche Beigabe zum Futter dienen. Sie sind sogar willkommen, da sie das Gebiss festigen und für die notwendigen Mineralstoffe sorgen. Bei zu großen Mengen reicht allerdings die Magensäure zur völligen Entkalkung nicht aus. Die Knochen gelangen unverdaut in den Darm. Im Dickdarm werden die Flüssigkeiten aus dem Darm aufgesogen und der dünnbreiige Darminhalt eingedickt. In diesem Darmabschnitt wirkt sich die zu reichliche Knochengabe verhängnisvoll für den Hund aus. Der Kot wird steinhart und staut sich im Mastdarm.
Daraus ergeben sich für den Vierbeiner nicht unerhebliche Beschwerden. Unter schmerzhaftem Drängen und Pressen versucht er vergeblich, sich von der Last zu befreien. Trifft keine Hilfe ein, entwickelt sich nach wenigen Tagen folgendes Krankheitsbild: - Verweigerung der Nahrungsaufnahme, - häufiges Erbrechen, - kein Stuhlgang. Die Folge ist eine Selbstvergiftung des Körpers, auch eine Bauchfellentzündung kann entstehen.
Nur in leichten Fällen ist es möglich, eine derartige Verstopfung mit Knochenkot allein durch Abführmittel und Klistiere zu beheben. Meist muss der Tierarzt die steinharten Kotbrocken mit einer geeigneten Zange zertrümmern und den Mastdarm behutsam ausräumen. Die Prozedur wird unter Rückenmarksbetäubung vorgenommen. In den ersten Tagen nach dem Eingriff erhält der vierbeinige Patient nur Schleimsuppe, um den entzündeten Darm zu beruhigen. Außerdem gelangen Schmerzmittel zur Anwendung.

