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Das Landl ist reich an magischen Plätzen
Alte Kultsteine als neue Kraftquellen
So genannte Kultsteine sind ein Stück Heimatgeschichte. Um sie ranken sich viele Sagen und mystische Erzählungen. Sie versprechen Kraft, Heilung oder zumindest Erkenntnis. Das Landl ist reich an solchen magischen, meist idyllisch gelegenen Plätzen.
„Brechen wir auf. Verlassen wir Stadt, Markt oder Dorf. Suchen wir den Hügel abseits der Straßen. Suchen wir den Platz in der Landschaft, wo wir alleine sind mit einem Baum, einem Stein, einer Quelle.” Mit diesen Worten führen uns Siegrid Hirsch und Wolf Ruzicka in ihr soeben erschienenes Buch „Kultplätze in Oberösterreich” ein (Freya Verlag, 176 Seiten, 19,90.- Euro). Darin spüren die Autoren 90 Plätze in 67 oberösterreichischen Gemeinden auf, die sich durch besonders starke Strahlung auszeichnen. Frei fließende Erdenergie und messbare Kraft würden hier den Wanderer und Suchenden positiv beeinflussen, so die Autoren.
Auch im Landl finden sich fünf derartige Kultstätten quasi direkt vor der Haustüre. Es sind meist bezaubernde Stellen in schöner Landschaft, an denen man, wenn schon nicht Heilung oder magische Kraft, so doch Ruhe findet. Manche Sagen und Mythen, die diese „heiligen” Orte begleiten, werden noch heute von der Bevölkerung geschätzt und in Ehren gehalten.
„Jungfrauenstein” in Natternbach:
Dieses Naturdenkmal ist wohl der bekannteste Kultstein im Landl. Er ist über den Güterweg Dornedt und einen anschließenden Waldweg leicht erreichbar. Beim „Jungfrauenstein” handelt es sich um einen zwei Meter hohen Wackelstein, der mit wenig Kraft zu bewegen ist. Der Platz liegt am Waldrand, Bänke stehen bereit. Um den Jungfrauenstein gruppieren sich größere Steine. Riesen-Jungfrauen sollen der Sage nach den Stein hierher getragen haben. Der Wackelstein lag am Römerweg, die bayrisch-österreichische Grenze verlief hier bis 1794. In der Nähe: Schanzen aus den Bauernkriegen.
„Jungfrauenstein” in Andorf:
Er ist im Vergleich zum Natternbacher Jungfernstein fast unbekannt, doch leicht zu finden. Hinterm Friedhof geht man auf einem Wanderweg Richtung Großschörgern etwa zehn Minuten bis zu einer hohen Kaiserlinde. 300 m weiter stehen eine weitere Linde und ein Marterl, an dessen Fuß der Jungfrauenstein liegt, der auch als Druidenstein angesehen wird. Es ist ein Opferstein mit kleinen Aushöhlungen, in denen einst Fett, Öl oder Beeren dargebracht wurden.
„Bäckerstein” in Hartkirchen:
Er ist seltsam geformt und zeigt drei Halbmonde. Zu finden ist er über den Güterweg Bergen durch die Ortschaft Gfehret. Es geht kurvig und eng durch einen Wald bergauf. Dann öffnet sich der Blick über eine Wiese. Der Bäckerstein befindet sich rechter Hand, beschirmt durch einen großen Baum. Etwas entfernt steht ein Marterl. Das am Stein eingeritzte „D” stammt aus neuerer Zeit. Nach der Überlieferung soll am Bäckerstein die Größe des Brotes gemessen worden sein. Demnach wären hier schon vor Jahrhunderten Gewerbetreibende unterwegs gewesen. Eine Sage erzählt, dass sich beim Bäckerstein, in alten Schriften auch als Dreimarkstein bezeichnet, drei Bäcker zu Tode gekitzelt haben.
„Rabensteine” in St. Agatha:
Sie markieren in der Ortschaft Urig einen steilen Abhang ins Aschachtal. Rabensteine waren Orte des Gerichts, ehemalige Urteilsplätze. Wo es Hingerichtete gab, waren die Raben nicht weit, die als Ratgeber der Weisen und als Todesvögel galten. Zu erreichen ist die Felsgruppe über den Güterweg Henzing. Vom Bauernhaus Urig Nr. 6 geht man über einen Wiesenweg und steilen Waldpfad. Bei den Rabensteinen heißt es vor allem für Kinder aufpassen. Absturzgefahr! An kleinen, flachen Stellen in wilder Natur kann man lagern.
„Hochzeitsstein” in Eferding:
Er steht in der Ortschaft Oberschaden (100 Meter nach der Firma Neuhuber) auf einer Verkehrsinsel (!). Erstaunlich, dass dieser unscheinbare Sagenplatz gerettet, ja sogar ein neuer Baum gepflanzt wurde. Auf dem mehr als 2.000 Jahre alten, 50 cm hohen Stein befindet sich ein keltisches Kreuz, das kaum zu erkennen ist. Der Legende nach handelt es sich um ein Sühnekreuz. Einst soll eine Hochzeit gefeiert worden sein. Bei dem Fest hielt ein Bauernsohn um die Hand einer schönen Jungfrau an. Diese lehnte den Antrag ab, weil der Bursch zu arm war. Darüber hinaus goss die schöne Maid an der Kreuzung übermütig Wein aus, legte Brot auf den Boden und stellte sich darauf. Da kam ein Unwetter auf, und das schöne Mädchen ward nie mehr gesehen, so die Saga. Die Lehre von der Geschicht’: Hochmut kommt vor dem Fall.

Das Buch „Kultplätze in Oberösterreich” enthält genaue Wegbeschreibungen inklusive GPS-Daten, Informationen zur Region (Einkehrmöglichkeiten) und es geht auf die Überlieferung und das Brauchtum ein.

