19. Mai 2012

TIERE

Kolumne von Tierarzt Dr. Peter Kollmann

Vitaminversorgung


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen. Tel. 07735/6943

Vitamine sind nicht nur für den menschlichen Körper wichtig, auch Tiere müssen damit ausreichend versorgt werden. Vitamine greifen als Biokatalysatoren in die verschiedensten Stoffwechselprozesse des tierischen Organismus ein. Die Vitamine A und C erfüllen wesentliche Funktionen an den Zellmembranen, die B-Vitamine als Bestandteil von Enzymsystemen im Zwischenstoffwechsel sowie in der Haut. Vitamin D ist verantwortlich für die Aufnahme von Kalzium und Phosphor durch die Darmschleimhaut und die Mineralisierung der Knochen. Vitamin E erfüllt ebenfalls wichtige Aufgaben im Zellstoffwechsel, besonders in der Leber und der Muskulatur.

Die Vitaminversorgung ist bei Pflanzenfressern im Wesentlichen über reichlich Grünfutter, im Winter über angekeimtes Getreide zu sichern, bei Fleischfressern durch gelegentliche Gaben roher Leber bzw. durch optimal ernährte Futtertiere. Außerdem stehen diverse Multivitaminpräparate in Form von Pasten, Pulvern und Tabletten bei Ihrem Tierarzt oder auch in gut sortierten Tierhandlungen zur Auswahl. Diese Ergänzungspräparate können sowohl therapeutisch als auch vorübergehend verwendet werden.
Der Bedarf an den einzelnen Vitaminen ist von Tierart, Entwicklungsstadium, Körpermasse und Leistung abhängig.

Zu einer ungenügenden Versorgung mit Vitaminen kann es kommen durch:
Ungenügenden Gehalt im Futter. Bei der Gewinnung und Lagerung von Futtermitteln nimmt der Vitamingehalt ab. Geringere Verwertung der Carotine bzw. eines Vitamins aus bestimmten Futtermitteln. Abbau eines Vitamins im Magen-Darm-Kanal. Abbau von Vitaminen beim Kochen des Futters. Erkrankungen - bei fieberhaften Erkrankungen nimmt der Vitaminverbrauch zu.

Fehlende Vitamine haben vielfältige Auswirkungen:
Vitamin A-Mangel ist in Folge von Verhornungen der Schleimhäute die Hauptursache für verminderte Schleimhautresistenz und damit erhöhte Infektanfälligkeit. Besonders häufig betrifft das die Bindehaut der Augen und die dortigen Drüsen sowie die Nebenhöhlen und Atmungsorgane. Weiters kommt es zu Wachstumsverzögerung bei Jungtieren, Fortpflanzungsstörungen und nervlich bedingten Krankheiten wie etwa Nachtblindheit.
Vitamin B-Mangel kann verschiedenste Ausfallserscheinungen zur Folge haben. Spezifische Vitamin B-Mangelerkrankungen sind die sogenannte Sternguckerkrankheit bei jungen Katzen (B 1-Mangel), ähnliche Leidenssymptome können auch bei Vögeln auftreten, die Schwarzzungenkrankheit der Hunde und Zehenverkrümmungen der Vögel (B 2-Mangel), verschiedene Hauterkrankungen sowie Haarausfall.
Vitamin C-Mangel hat besonders starke Infektanfälligkeit zur Folge. Äußerst gefährdet sind hier Meerschweinchen.
Vitamin D-Mangel führt zu Knochenweiche.
Vitamin E-Mangel verursacht Erkrankungen der Leber, der Muskulatur und des Gehirns. Plötzlicher Herztod ist auf die Unterfunktion des Herzmuskels zurück zu führen. Besonders bei Nagetieren sind Fortpflanzungsstörungen zu erwarten.