SPORT
Abseits der EM 2008
Die Fans bewegen sich zwischen Verzweiflung und Wahnsinn. Die Spieler werden vergöttert und verdammt. Fußball ist viel mehr als das Zeitlupenspiel unserer Nationalmannschaft. Dribbeln Sie mit dem „Landl” jetzt jeden Monat ins Abseits der EURO.

Schauen wir uns zum Start dieser Abseits-Serie einmal an: Was heißt eigentlich Heim-EM? 70 Jahre nachdem die deutschen Nazis unter der Führung eines Wahnsinnigen aus Braunau am Wiener Heldenplatz triumphal begrüßt worden waren, erwartet uns im Juni wieder ein „Anschluss”. Diesmal überrollen die deutschen Fußballfans unser Land auf dem Weg nach Kärnten und Wien, wo ihre Mannschaft, die in der Schweiz wohnen wird, ihre „Heimspiele” austrägt. Mit Spannung darf man darauf warten, ob diesmal der Empfang wieder so euphorisch ausfällt wie 1938. Die Chance auf eine friedliche Verbrüderung lebt jedenfalls. Wir überlassen den Deutschen die Punkte, sie überlassen uns ihr Geld.
Um den „Heimvorteil” richtig einschätzen zu können, lohnt sich ein genauer Blick auf die Auslosung. Sollte das „Wunder von Wien” eintreten und Österreich in der Gruppe B als Gruppenzweiter ins Viertelfinale aufsteigen, müsste unser Team dieses Spiel in Basel austragen. Gewännen wir durch ein „Wunder von Basel” auch dort, fände unser Halbfinalspiel wieder in Basel statt. Die österreichischen Fans müssten also ihr Geld in der Schweiz ausgeben, wollten sie ihr Team bei der „Heim-EM” weiter live sehen. Die Deutschen hingegen würden als Sieger der Gruppe B - wozu wahrlich kein Wunder notwendig ist - auch ihr Viertelfinale in Wien spielen, und das Finale sowieso. Heim-EM - für wen?

