19. Mai 2012

LANDLER/IN DES MONATS

Der Grieskirchner Braumeister dankt ab

„Bier ist der Kitt der Gesellschaft“

Landler des Monats: Diplombraumeister Wolfgang Michaelis (63)


Über Bier kann ihm keiner was erzählen. Wenn es um den Gerstensaft geht, ist Wolfgang Michaelis wie ein offenes Buch - mit unglaublich vielen sympathischen Seiten und voller Wissen. Seit 1968 arbeitet der Diplombraumeister (Bild) für die Brauerei Grieskirchen. Mit Jahresende sagt der 63-jährige ade. Er geht in Pension.

Wolfgang Michaelis und das Bier - das ist eine fast unendliche (Liebes-)Geschichte. Wolfgang ist Braumeister in fünfter Generation. Gelernt hat er die Wissenschaft des Brauens von der Pike auf. „Wenn du’s machst, dann machst eine Lehre,” hatte der Vater dem Spross nach der Matura eine eindringliche Empfehlung auf den Berufsweg mitgegeben.

Nach 3-jähriger Brauer- und Mälzerlehre mit anschließender Gesellenprüfung war Wolfgangs Wissensdurst aber längst nicht gestillt. Vier Jahre lang studierte er an der TU Weihenstephan in Freising bei München, wo er später auch einige Zeit als Universitätsassistent arbeitete. Dazwischen sammelte er Praxis in Brauereien. Löwenbräu konnte seine Dienste ebenso gebrauchen wie Thurn und Taxis in Regensburg, jener Stadt, in der Wolfgang Michaelis aufgewachsen und in die Mittelschule gegangen ist.

Nach Bayern verschlagen hatte es Familie Michaelis 1944. Kurz nach Wolfgangs Geburt musste seine Mutter mit ihm aus Dresden fliehen. „Ein paar Stunden später wurde die Stadt von den Bomben total zerstört,” erzählt der geborene Sachse.

1968 wurde der Diplombraumeister in Grieskirchen sesshaft. Er hatte zuerst in der Brauerei die Qualitätskontrolle über, wurde dann stellvertretender Braumeister und 1982 Braumeister und Prokurist. Damit war die „Institution” Michaelis in Grieskirchen besiegelt. Bis zum heutigen Tag drückt sie dem Grieskirchner Bier seinen Stempel auf.

25 Jahre lang ging Sud um Sud durch Michaelis’ Hände. Millionen Hektoliter Bier wurden von ihm hergestellt. „Das ist ja das spannende an unserem Beruf, dass jeder Tag eine Herausforderung ist. Bier ist ein lebendes Produkt. Vom Gärprozess bis zur Fertigstellung kann viel passieren.”

In der Grieskirchner Brauerei ist in den vergangenen Jahrzehnten viel passiert, aber nichts schief gelaufen. Unter der Regie von Wolgang Michaelis wurde das Grieskirchner Pils zur mit zahlreichen Goldmedaillen ausgezeichneten Leitmarke des Unternehmens. Die Grieskirchner Brauerei war die erste in Österreich, die einen Radler abfüllte, und die erste, die ein echtes Leichtbier auf den Markt brachte. „Die anderen haben damals nur helles Bier mit alkoholfreiem vermischt und als Leichtbier verkauft. Derartiges Pantschen kam für uns nicht in Frage,” hielt Michaelis auch hier an seiner Qualitätsmaxime fest.

Vor 22 Jahren war der aus dem Weißbierland Bayern kommende Braumeister der Vater des ersten österreichischen naturtrüben Weißbiers. Der Verkauf des Jörger Weißbiers war anfangs mühsam, erinnert sich Michaelis. „Man musste die Leute fast dazu überreden. Jetzt exportieren wir das Grieskirchner Weißbier in die USA, nach Italien und Schweden.”

Der jüngste Coup gelang dem Grieskirchner Braukaiser im Vorjahr. Für das Stadtfest mit Volleyballturnier erfand er das „Beach”, ein Pils mit einem Schuss Zitrone. Dieses Bier kommt so gut an, dass es sofort von einer anderen Brauerei abgekupfert wurde.

Michaelis selbst greift am liebsten zum mit 4,8 % Alkohol recht leichten Grieskirchner Pils, trinkt aber auch für sein Leben gern Weißbier und „ein Bock und eine Jausen ist sowieso super.”

Ehefrau Olga (53), eine Lehrerin aus Wels, die er bei einer Schulexkursion in die Brauerei kennenlernte, hat Wolfgang auch rasch zum Bier bekehrt. „Sie trinkt es jetzt leidenschaflich gern, und wenn kein Haustrunk daheim ist, bekomme ich geschimpft.” Leider setzen die Töchter die Biertradition der Familie nicht fort. Christiana (28) ist Physiotherapeutin, Valeria (23) studiert Betriebswirtschaft und Chinakunde. Derzeit lernt sie in Peking, und der Vater hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben: „In China wird ja das meiste Bier der Welt gebraut. Vielleicht findet sie doch noch Interesse daran.”

Im Ruhestand übersiedelt Wolfgang Michaelis in sein Haus in Gmunden, doch er wird auch weiter regelmäßig in Grieskirchen zu treffen sein. „Ich kann ja die vielen Kellnerinnen und Wirtinnen hier nicht alleine lassen,” lacht die lebende Bierlegende.